Streifende theta Cancri-Bedeckung am 4. Oktober
1999 erfolgreich am Tuniberg beobachtet
Das Wetter hat uns hinsichtlich der Beobachtung der streifenden
Sternbedeckung theta Cancri am frühen Morgen des 4. Oktober 1999 einen Streich
gespielt - doch diesmal im positiven Sinne.
Nachdem es am Sonntag abend sogar um 22 Uhr noch geregnet hat, hatten
wir die Beobachtung des Ereignisses offiziell abgesagt. Jeder sollte
selbst aus dem Fenster schauen und gegebenenfalls beobachten.
Um 1.10 Uhr rief Lutz Bath uns an, der Himmel sei klar. Also sind
wir doch zur Beobachtung angetreten, allerdings nur Lutz Bath/Ulrich
Schüly sowie Susanne und Martin Federspiel. Die Gruppe Bath/Schüly
bezog die Station 2 (2 km im Riedel-Profil), die Gruppe Federspiel
entschloß sich zur Station 2,5. (Die Vorhersage und eine Beschreibung
der vorgesehenen Standorte findet sich
hier.
Das Wetter hat tatsächlich knapp gehalten und wir wurden nicht
enttäuscht: Bath/Schüly sahen den Stern zweimal verschwinden und
wieder auftauchen. Das ganze wurde auch auf Video festgehalten. Bei
der etwas südlicheren Station Federspiel gab es sogar viermaliges
Verschwinden/Wiederauftauchen zu bestaunen, wobei 3 der Ereignisse kürzer
als eine Sekunde dauerten.
Die provisorische Auswertung (siehe angehängtes Mondrandprofil) hat
folgendes ergeben:
- Die beobachteten Zeiten stimmen einigermaßen mit den erwarteten
überein, wenn man annimmt, daß die wahre Grenzline des mittleren
Profils (keine Berge und Täler) etwa 400 m südlich der berechneten
Grenzlinie Riedel und etwa 700m nördlich der Grenzlinie Federspiel
verlief.
- Im Detail ergeben sich einige Abweichungen vom Watts-Profil:
- Bei Watts-Winkel (WA) 351.5° muß eine Erhebung sein, deren
äußerste Spitze die von Federspiel beobachteten 3 sehr kurzen
Bedeckungen verursacht hat (im Diagramm nicht sauber aufgelöst).
Die Erhebung ist nicht so hoch, daß Bath/Schüly davon etwas
gesehen haben.
- Die Vertiefung bei WA 350.2° ist nicht so tief, sonst hätten
Bath/Schüly ein vorübergehendes Wiederauftauchen des Sterns
beobachtet.
- Dafür muß die Vertiefung bei WA 347.7° um etwa 0.2" tiefer sein,
denn Bath/Schüly haben dort ein kurzes Wiederauftauchen gesehen.
Allerdings kann die Vertiefung nicht wesentlich tiefer sein,
weil Federspiel kein Wiederauftauchen an dieser Stelle beobachtet
hat.
Leider haben aufgrund des unsicheren Wetters nicht mehr Beobachter
an dieser Aktion teilgenommen, sonst hätte sich das Mondrandprofil noch
wesentlich genauer rekonstruieren lassen. Denen, die dabei waren,
hat es jedenfalls großen Spaß gemacht.
Martin Federspiel martin@astro.unibas.ch