Tagungsnachlese und Beobachtungsvorschläge

Wie schon letztes Jahr besuchten einige Mitglieder der SFB verschiedene astronomische Veranstaltungen. Diese kurze Nachlese möchte Sie motivieren, nächstes Jahr vielleicht auch an einem dieser Events teilzunehmen (wir werden rechtzeitig auf den Sternfreundeabenden darauf hinweisen) oder bei einem der auf der Deep-Sky-Tagung vorgestellten Beobachtungsprojekte mitzumachen.

Beim ITV ("Internationales Teleskoptreffen Vogelsberg") versammeln sich alljährlich begeisterte Amateurastronomen mit ihren Teleskopen zum gemeinsamen Fachsimpeln und Beobachten. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Teleskope, von denen alle nur erdenklichen (und unglaublichen) Varianten vertreten sind. Die Palette reicht hierbei vom 60-mm-Refraktor bis zum 30-Zoll-Newton-Teleskop. Interessant sind vor allem die Selbstbauten, sei es ein selbstgeschliffener 60-cm-Spiegel oder ein 12-Zoll-"Dobson-Bino".

Dieses Jahr kam im Gegensatz zu den Vorjahren bei gutem Wetter auch das Beobachten nicht zu kurz. Man hatte Gelegenheit, durch alle möglichen Teleskope zu schauen und zu entscheiden, ob man wirklich so ein 30-Zoll-Monster-Dobson braucht oder ob es nicht doch mindestens genausoviel Spaß macht, mit dem selbstgeschliffenen 6-Zoll-"Sperrmüll-Newton" zu beobachten... Wer sich ein neues Zubehörteil oder gar ein Teleskop zulegen möchte, ist auf dem ITV genau richtig. Man kann es unter realen Bedingungen testen und hat beim Händler nebenan gleich das entsprechende Konkurrenzprodukt stehen. Natürlich gibt es auch einen Flohmarkt, auf dem man so einige Schnäppchen ergattern kann.

Besondere Freude am ITV bereitet es auch, all die in den Vorjahren kennengelernten Gleichgesinnten (-verrückten) wiederzutreffen. Die lockere Atmosphäre wird dabei noch durch das Campingplatzambiente gestärkt.

Bei der Deep-Sky-Tagung (DST 2001) auf dem Eisenberg ging es mehr um die Objekte am Himmel. Die Vorträge und Workshops widmeten sich der praktischen Astronomie, sowohl der visuellen Beobachtung als auch der Fotografie und CCD-grafie. Hierbei wurde wirklich für jeden etwas geboten. Bei den Vorträgen zur visuellen Beobachtung reichte die Bandbreite dieses Jahr von Beobachtungen und Zeichnungen mit einem 10-cm-Reflektor bis zu exotischen Projekten wie "Große Planetarische Nebel", deren Katalogbezeichnungen allein uns schon vor Ehrfurcht erblassen ließen. Dabei fragte man sich ständig, ob diese Objekte wohl in der Reichweite des eigenen Teleskops liegen und staunte, was für phantastische Beobachtungen und Zeichnungen mit einem 4-Zöller möglich sind.

Da immer zwei Vorträge parallel liefen, konnte man den auswählen, der einem am interessantesten erschien und musste dabei oft feststellen, dass einen durchaus auch der auf der anderen Schiene gereizt hätte. Für die technisch Begeisterten gab es z.B. Vorträge zum Thema CCD und Beobachtungsplanungen mit dem Computer. In gewohnt kurzweiliger Manier berichtete Wolfgang Steinicke, Leiter der "VdS-Fachgruppe Deep-Sky" und Mitorganisator der Tagung, über die Deep-Sky-Aktivitäten in Deutschland und die Ergebnisse seiner Fragebogenaktion. Erstaunlich war dabei der geringe Frauenanteil unter den Amateurastronomen, nur drei Frauen unter ca. 180 Teilnehmenden (wie gut haben wir es da bei den SFB). Ein weiteres SFB-Vereinsmitglied, Andreas Masche, hielt einen Vortrag über das LRGB-Verfahren in der CCD-Fotografie. Man erhielt einen Einblick, welcher Aufwand an Computerbearbeitung (zusätzlich zur Aufnahme der Objekte mit der Astrokamera auf dem Schauinsland) erforderlich ist, um diese detailreichen und farbenprächtigen Bilder zu erzeugen. Weiterhin stellte Wolfgang Steinicke die Projekte der Fachgruppe Deep-Sky vor. Exemplarisch möchten wir eines davon vorstellen und alle Interessierten ermuntern, mitzumachen.

"Im Schatten der Großen - Galaxien bei hellen Sternen" ist ein Projekt mit einer überschaubaren Objektanzahl, das auch für kleine Instrumente geeignet ist. Dennoch birgt es eine gewisse technische Herausforderung, da die Galaxie evtl. vom hellen Stern überblendet wird. Das Interessante dabei ist die Kombination von "nah und fern" bzw. "hell und schwach".

Da die Galaxien visuell heller als 14mag sind, reicht bereits ein kleines Instrument ab 4 Zoll (10 cm) Öffnung. Auch das Auffinden stellt kein Problem dar, da die Sterne schon mit bloßem Auge sichtbar sind. Die Liste mit 10 Objekten kann bei uns per e-mail angefordert werden. Für diejenigen ohne e-mail drucken wir sie auf Wunsch auch gerne aus und bringen sie zum nächsten Sternfreundeabend mit. Als Vorgeschmack auf die Objekte hier zwei bekanntere Fälle: NGC 404 ("Mirach's ghost") bei Beta And (Mirach) bzw. NGC 3499 bei Beta UMa (Merak). Im Rahmen des Projekts sollen die Objekte beschrieben bzw. gezeichnet werden (ein Infoblatt zur Deep-Sky-Beobachtung bzw. ein Beobachtungsblatt gibt es hier). Dabei wird inbesondere auf die Beschreibung der Schwierigkeiten bei der Beobachtung Wert gelegt. Dazu gehört z.B. die passende Vergrößerung, das Gesichtsfeld, Tricks (Stern aus dem Gesichtsfeld verbannen) und die Dunkeladaption des Auges. Auch Aufnahmen (Film/CCD) wären denkbar, wenn auch wegen der großen Sternhelligkeit sicher nicht ganz einfach.

Als Ansprechpartner für Fragen zum Projekt und seinen Ergebnissen stehen wir, wie auch der Projektleiter Wolfgang Steinicke, gerne zur Verfügung. Es wäre schön, wenn möglichst viele Sternfreunde mitmachen. Wir könnten uns in Zukunft vielleicht auch an anderen Projekten der Fachgruppe beteiligen (siehe Internet-Seiten der FG Deep-Sky).

Carolin Tomasek und Achim Schaller

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Last Update: 1. September 2001
Martin Federspiel