Sinn der Beobachtung von streifenden Sternbedeckungen durch den Mond
Recht selten gelangt ein hellerer Stern - für einen festen
Standort auf der Erde - in die unmittelbare Nähe des
nördlichen oder südlichen Mondrandes. Es hängt dann
wegen der relativ geringen Entfernung des Mondes von der Erde davon
ab, wo genau der Beobachter sich auf der Erde befindet, ob er eine
kurze "streifende" Bedeckung oder einen nahen Vorübergang am
Mondrand sieht. Je nach Verteilung der Berge und Täler auf dem
Mond ("Mondrandprofil") und genauem Standort des Beobachters
verschwindet der Stern bei einer streifenden Sternbedeckung unter
Umständen mehrmals hinter Bergen, um zwischendurch in Tälern
kurzzeitig wieder sichtbar zu werden. Beobachter an verschiedenen,
etwa wenige 100 m bis wenige km auseinanderliegenden Standorten sehen
einen jeweils anderen Schnitt durch das Mondrandprofil. Aus den an den
verschiedenen im Gelände verteilten Stationen gemessenen Zeiten
der Unsichtbarkeit läßt sich das tatsächliche
Mondrandprofil rekonstruieren. Das ist eine durchaus sinnvolle Arbeit,
denn das Mondrandprofil ist auch heute noch nicht mit hinreichender
Sicherheit bekannt. Der genaue Verlauf der Grenzlinie bei einer
totalen Sonnenfinsternis bzw. das sogenannte Perlschnurphänomen
("Bailey's beads") kann wegen der Unsicherheit im Mondrandprofil noch
nicht mit gewünschter Genauigkeit vorausgesagt werden.
Beobachtungstechnik
- Die Stationen werden ausreichend lange vor dem Ereignis vom Leiter
der Beobachtungskampagne besichtigt und festgelegt.
- Die Beobachter melden bis einige Tage vor dem Ereignis ihre
Teilnahme und ihre Ausrüstung (Fahrzeug, Teleskop,
Zeitmessungseinrichtung, Art der Datenaufzeichnung) beim Leiter der
Beobachtungskampagne.
- Die Beobachter treffen sich ausreichend lange vor dem Ereignis
(z.B. 2 Stunden) an einem festgelegten Treffpunkt.
- Die Beobachter werden vom Leiter der Beobachtungskampagne
auf ihren Beobachtungsplatz eingewiesen.
- Es wird mit möglichst vielen Beobachtern in verschiedenen Gruppen
(z.B. 10) von verschiedenen Stationen aus beobachtet.
- Jede Station verfügt über ein Teleskop, einen
Zeitzeichenempfänger (DCF77, GPS) und ein Datenaufzeichnungsgerät
(Tonband, Kassettenrecorder, Videokamera). Der Zeitzeichenempfänger
sollte ein akustisches Signal von sich geben, das zusammen mit den
gesprochenen Kommentaren des Beobachters auf Tonband oder die Tonspur
des Videobandes aufgenommen wird. Einige Spezialisten besitzen
Zusatzgeräte, mit denen das Zeitzeichen im Bild eingeblendet wird.
Ideal ist die Aufnahme des Ereignisses am Teleskop auf Videoband.
Möglich ist aber auch die Beobachtung mit dem Auge am Teleskop,
wobei der Beobachter das Gesehene zur Aufnahme auf Tonband beschreibt
(kurze präzise Kommentare wie "Stern zu sehen", "weg!", "da!", "Wolke",
Schätzung der Reaktionszeit bei einem Ereignis etc.). Der Ablauf der
Beobachtung soll möglichst detailiert protokolliert werden. Das
Zusammenspiel der beteiligten Geräte muß unbedingt schon einige
Tage vor dem Ereignis geübt und getestet werden!
- Nach dem Ereignis treffen sich alle Beobachter wieder an einem
Punkt. Dabei werden die aufgezeichneten Daten zur Auswertung eingesammelt.
Probleme mit der Zeitnahme (hauptsächlich bei Videoaufnahmen)
Die verschiedenen DCF-77 Empfänger tun nicht das, was wir von
ihnen erwarten:
- Bei dem Empfänger mit Leuchtdiodenanzeige und 12V-Anschluß vom
Schauinsland leuchtet die Leuchtdiode zum Zeitpunkt Null (?).
Die digitale Zeitanzeige kommt ein Einzelbild = 1/25s = 0.04s
später! - Im Zweifelsfall nimmt man also den Zeitpunkt der
Leuchtdiode. Wie weit der wohl korrekt ist? Wer prüft das und
wie?
- Mein Empfänger mit LCD-Anzeige springt mit neuer Batterie von
einem Bild auf das nächste um und nicht in vier Raten wie bei
alter Batterie. Das ist also in Ordnung.
Allerdings schaltet er erst zum Zeitpunkt 4 auf die neue Sekunde,
also 4/25s = 0.16s später als die LED des o.g. Empfängers. Das
auch dann, wenn beide Empfänger erst fünf Minuten
vorher initialisiert worden sind. An der internen Uhr liegt es
also nicht.
Ob sich da alle LCD-Empfänger gleich verhalten, habe ich noch
nicht geprüft. Genaugenommen muß man jeden testen/eichen,
notfalls im nachhinein.
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Martin Federspiel martin@astro.unibas.ch