Die Sonne in neuem Licht

Am 5. August 2001 verstarb unser langjähriges Mitglied und passionierter Sonnenbeobachter Josef Roth (siehe den Nachruf in den Mitteilungen September bis Dezember 2001). Er vermachte unserem Verein ein umfangreiches Instrumentarium, unter anderem diverse Filter zur Sonnenbeobachtung im H alpha-Licht.

Vor seinem Tode hat er mehrfach den Wunsch geäußert, dass diese auch weiterhin zu seiner geliebten Sonnenbeobachtung genutzt würden. Nach etwas Bastelei ist nun ein Day-Star H alpha-Filter mit 0.7 Angstrom Halbwertsbreite am C8-Leitrohr der Astrokamera einsatzbereit. Jetzt kann unsere Sternwarte endlich auch tagsüber genutzt werden. So verwundert es uns selbst, wie oft wir (Carolin Tomasek und Achim Schaller) als eingefleischte Deep-Sky-Beobachter schon einen Blick auf die Sonne geworfen haben.

Der Anblick der Protuberanzen am Sonnenrand und der zahlreichen Filamente und Strukturen auf der Sonnenoberfläche verschlägt einem schier die Sprache. Unsere Sonne, für viele Inbegriff des Beständigen und Gleichmäßigen, zeigt plötzlich eine ungeahnte Fülle von Aktivitäten. So löst sich z. B. im Zeitraum einer Stunde eine riesige bogenförmige Protuberanz vom Sonnenrand ab und steht erhaben im Raum. Angesichts der Winzigkeit unserer Erde läuft einem dabei ein eiskalter Schauer den Rücken herunter.

Mittlerweile konnten schon einige Gäste, darunter auch der Hausmeister des Kiepenheuer-Institutes, dieses Schauspiel bewundern. An einem anderen Tag konnten wir einer Schulklasse, welche zufällig eine Führung beim Kiepenheuer-Institut hatte, die Chromosphäre der Sonne zeigen.

Nun hoffen wir, dass dieses neue Betätigungsfeld von unseren Vereinsmitgliedern auch rege genutzt wird, ganz im Sinne von Herrn Roth.

Durch ein H alpha-Filter beobachtet man die Chromosphäre der Sonne. Das ist eine etwa 2000 km über der sonst sichtbaren "Oberfläche" (Photosphäre) gelegene Schicht der Sonnenatmosphäre. Hell treten die durch starke Magnetfelder meist in der Nähe von Sonnenflecken verursachten Aktivitätsgebiete hervor. Als langgestreckte dunkle Strukturen zeichnen sich Protuberanzen vor der Sonnenscheibe ab (sog. Filamente). Am Sonnenrand erscheinen die Protuberanzen vor dem kühleren Weltraum dagegen hell. - In den letzten Monaten war die Sonnenaktivität überraschend hoch, an manchen Tage brannte die Sonne sogar ein regelrechtes Aktivitätsfeuerwerk ab.
Aufnahme: 29. Juli 2002, 23.32 Uhr UT, Internet-Archiv des Big Bear Solar Observatory.

Achim Schaller


Zurück zur Hauptseite der Sternfreunde Breisgau
Last Update: 16. September 2002
Martin Federspiel