Die Totale Sonnenfinsternis 1999

in Rastatt

von Jürgen Gottschall

Wir, das waren Volker Buss, Rolf Eckert, Manfred Melcher und Bernd Morasch, teilweise mit ihren Familien, und ich mit meinem Arbeitskollegen Gerd Schülke und einem Bekannten Daniel Gwarys. Unser Standort Durmersheim liegt etwas nördlich von Rastatt bei den Eltern von M. Melcher, nahe der Zentrallinie. Es war so einiges an Gerätschaft im Einsatz: zwei Meade 8" (Gottschall, Melcher) und ein ETX von Meade (Melcher). G. Schülke hatte zwei Videokameras dabei, die eine ständig auf die Sonne gerichtet, jedoch ohne Nachführung. Mit der zweiten filmte er das geschäftige Treiben auf dem Beobachtungsplatz. Wenn alles klappt, kann ich eine Kopie des geschnittenen Films auf dem Sternfreundeabend am 29.9. vorführen. D. Gwarys hatte eine Pentax-Kleinbildkamera sowie ein 1:8/500mm-TAURON-Spiegeltele mit Zweifachkonverter im Einsatz. Wegen der geringen Lichtstärke von 1:16 benutzten wir einen 400 ASA Film. Soviel zur "Waffentechnik".

Nun zur Finsternis selbst: Dank der frühen Abreise aus Freiburg um 7h waren wir ohne Stau um 8:30h in Rastatt angekommen. Der Himmel zeigte sich bei 15 - 20C bewölkt bis bedeckt, die war Luft feucht. Langsam kamen größere Wolkenlücken, jedoch bei reichlich Dunst.

Kurz nach dem 1. Kontakt sahen wir die Sonne zum ersten Mal. In der nächsten Stunde wechselten klarer Himmel, Blick durch Wolken und Null Sicht auf die Sonne. Die wechselnden Wolken erzeugten in den letzten 5 bis 10min vor dem 2. Kontakt eine extreme Spannung. 1 bis 2min vor dem 2. Kontakt waren wir uns sicher, wir würden die total verfinsterte Sonne sehen können.

Einiges habe ich vor Aufregung gar nicht mitbekommen, so den Diamantring und die Perlschnur. Fliegende Schatten habe ich auch nicht gesehen. Einen Finsterniswind habe ich nicht gespürt, auch ein Temperaturrückgang fiel mir nicht auf. Sehr beeindruckt hat mich jedoch die "schwarze Sonne" mit ihrer Korona und eine große Protuberanz in der Korona bei 14h-Stellung. Die Korona hatte ich allerdings größer erwartet. Planeten und Sterne habe ich nicht gesehen.

Wie kurz zwei Minuten sind, hat man beim dritten Kontakt gemerkt - aus und vorbei!

Kurz nach der Totalität zogen die Wolken wieder zu, und beim Abbau der Geräte gab's sogar noch einmal einen nassen Frack. Beim 4. Kontakt standen wir bereits im Megastau. - Die Finsternis war ein tolles Erlebnis, und hoffentlich war sie nicht meine letzte.