Die Totale Sonnenfinsternis 1999

im Saarland

von Judith Gasper

Als ich 1992 im Saarland meinen Mann geheiratet habe, wußte ich noch nicht, daß ich sieben Jahre später ebendort die totale Sonnenfinsternis bewundern würde, und dies bei gutem Wetter! Mittlerweile haben wir drei Kinder - Rebecca 7, Luca 4 und Ruth 1 Jahr alt, und so planten wir, unseren Sommerurlaub zur Zeit der Sonnenfinsternis im Saarland und anschließend ein paar Tage in Holland zu verbringen. Mit gemischten Gefühlen: würde das Wetter mitspielen, oder wäre es nicht auch toll, zusammen mit ein paar Sternfreunden das Schauspiel zu beobachten? Am 10. August war es soweit: Die Koffer samt Literatur, Schutzbrillen und Fernglas, das ich fast vergessen hätte, waren gepackt, und wir machten uns auf den Weg in Richtung Losheim 50km nördlich von Saarbrücken, wo die Schwiegermutter wohnt. Wir wählten den Weg über Frankreich, die A5 in Richtung Karlsruhe war verstopft. Immer wieder schaute ich zum Himmel: blau, aber ziemlich viele Wolken. Wie würde das morgen sein, am Tag der Finsternis?

Gegen Abend kamen wir in Losheim an, und langsam wuchs meine Nervosität. Nachts zeigte der Himmel mehr Wolken als Sterne! Am nächsten Morgen glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen - alles grau! Meine Stimmung sank auf den Nullpunkt und der Blutdruck stieg. Der Rest der Familie dagegen einschließlich Oma ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Zwischen 10h und 10:30h begaben wir uns an den nahen Stausee mit seinem Internet-Cafe. Doch auch dort gab's nur düstere Prognosen. Vereinzelt sah man Grüppchen mit Schutzbrillen, Videokameras oder Teleskopen.

Plötzlich wurde es im Westen etwas blau! Ich glaubte noch nicht dran, doch es sollte noch blauer werden. Zuhause brauchte ich den ersten Schnaps. Punkt 11h reißt die Wolkendecke auf, die Bedeckung beginnt. Ich äußere den Wunsch, auf den nahe gelegenen "Galgenberg" zu fahren, ich bin so aufgeregt wie noch nie. Oben angekommen stellen wir das Auto mitten in eine abgemähte Wiese und machen es uns im Kofferraum und auf den Klappstühlen bequem. Die Kinder interessieren sich mehr für die Heuballen, Mamas Nervosität war für sie sowieso nicht mehr richtig einzuordnen. Ich konnte derweil beobachten und meinen Gedanken - vor allem an die Sternfreunde! - nachhängen. Mein Mann Olaf projizierte die Sonne immer wieder mit dem Fernglas auf ein weißes Blatt Papier. Es wurde immer dunkler und kühler - bis um 4 Grad. Ich sehe noch ein Auto mit Scheinwerfern den Berg herauffahren, da läßt Olaf einen Schrei los, ich rufe noch den Kindern zu "Jetzt dürft ihr so reinschauen!" und da war sie - die totale Sonnenfinsternis!!! Alles versuchte ich aufzusaugen - den Anblick der Sonne, den Himmel, die Venus, die Landschaft, die Stimmung. Ich war fasziniert von den leuchtend roten Protuberanzen, der plötzlichen Kälte, der orange-braun-grau gefärbten Landschaft. Es war nicht Nacht und auch nicht Dämmerung, es war etwas ganz Eigenes. Die Korona selbst beeindruckte mich merkwürdigerweise nicht so stark.

Doch wie schnell sind zwei Minuten um! Der Diamantring blitzte auf und es wurde wieder heller. Mein Mann, die Ruhe selbst, hat während der Totalität Fotos gemacht, von denen ein paar auch etwas geworden sind.

Wir fuhren dann bald nach Hause - Oma wollte kochen, und die Wolken kamen wieder. Innerlich fertig und den Freudentränen nahe trinke ich den zweiten Schnaps. Ein paarmal noch geben die Wolken den Blick auf den Austritt des Mondes frei, ehe um 13:50h das Schauspiel vorbei ist und der Wolkenvorhang endgültig fällt. Nun können wir in Ruhe mit einem Glas Sekt auf das großartige Erlebnis anstoßen.