Die Totale Sonnenfinsternis 1999

in Bitche/Frankreich

von K.-L. Bath

Mit einigen Mitgliedern der Sternfreunde Breisgau und ihren Familien waren meine Frau und ich nach Bitche in Lothringen gefahren, um die seit Jahrzehnten sehnlich erwartete totale Sonnenfinsternis in heimischen Gefilden zu erleben. Bitche findet man genau auf der Zentrallinie ein paar Kilometer südlich von Zweibrücken. In seiner Mitte thront auf einem Umlaufberg eine gewaltige Feste von Vauban (La Citadelle) aus dem 17. Jhdt. - Noch zwölf Stunden vor dem Ereignis hatten die Wetterfrösche geraten, möglichst weit nach Westen zu fahren, da es in ganz Süddeutschland regnen würde. Eine Fehlprognose, wie sich herausstellen sollte. Das Umgekehrte war der Fall. Bei uns in Lothringen regnete es und in München und am Chiemsee war der Himmel blau, auch im Raum Baden-Baden und Straßburg/ Haguenau. In Karlsruhe und Umgebung gab es Wolkenlücken.

In Bitche hatten die elsässischen Sternfreunde aus Straßburg (SAFGA, Societq Astronomique de France Groupe d'Alsace) zu einem internationalen Treffen mit 1500 Besuchern eingeladen. Seit Freitag, dem 6. August, gab es viele Vorträge von Amateuren, der Leiterin des Straßburger Planetariums, Prof. Agnès Acker und von anderen bekannten französischen Fachastronomen sowie Ausstellungen von Teleskopen, Kuppeln, Briefmarken und Sonnenuhren. In Lothringen sprachen überraschenderweise noch mehr Leute deutsch als im Elsaß, was uns die Kommunikation natürlich sehr erleichterte. Überall fanden wir außerordentlich freundliche und hilfsbereite Leute, besonders Jean Marie Wilhelm, den rührigen Leiter der SAFGA, der trotz seiner vielen Aufgaben als Organisator immer wieder Zeit für uns fand. Auch er spricht fließend deutsch.

Das französische Fernsehen, France 3, wollte in seinem Interview genau wissen, weshalb ich nach Bitche gekommen und nicht nach Stuttgart gefahren sei. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch - stilgerecht mit dem Safarihut auf dem Kopf - eifrig für die im Aufbau befindliche Internationale Amateursternwarte (die IAS) in Namibia werben.

Zur Finsternis. Von der partiellen Phase nach der Totalität waren ab und zu ein paar Blicke durch die Wolken hindurch zu erhaschen, ohne Filter. Auch ein paar Videoaufzeichnungen waren möglich, aber das war's dann schon.

Meine Ausrüstung blieb weitgehend ungenutzt. Ein Camcorder für den herannahenden und den forteilenden Mondschatten, einer für die fliegenden Schatten auf einem ausgebreiteten Bettlaken und der dritte für die Sonne. Dabei hatte sich herausgestellt, daß die Teleeinstellung des Camcorders genügt und eine Vorschaltoptik unnötig ist. Für das genaue Timing sollten ein Funkwecker vor und nach dem Ereignis abgefilmt werden. Ebenso waren die beiden 6 x 6 KIEV-Kameras mit Weitwinkel- und Fischauge-Objektiv für die Sterne leider überflüssig. Alles war lange eingeübt worden und hätte wohl auch funktioniert.

Eine Sondermarke zur Finsternis hatte es von der Deutschen Post AG sonderbarerweise nicht gegeben, aus welchen Gründen auch immer. Dagegen konnten wir von Rohrbach les Bitche eine schöne Finsternisbriefmarke mit einem Sonderstempel und dem richtigen Datum, dem 11. August, mitbringen. Diesen Stempel gab es nur an diesem Tag. Eigentlich hätte die Briefmarke statt der verfinsterten Sonne eine schwarze Wolke ... - aber lassen wir das.

Für die Rückreise stand das schöne Städtchen Saverne auf dem Programm. Es ist eine eigene Reise wert, und so beschlossen wir, es ein andermal mit mehr Zeit zu besuchen. In der Nähe von Straßburg dann fanden wir uns in dem unvermeidlichen Stau wieder, die Benzinanzeige kurz vor Reserve. Glücklicherweise fand sich ein netter Mensch, der uns zu einer noch um 19h offenen Tankstelle in Straßburg führte.

Und das Ergebnis? Eine Verabredung zur nächsten Sonnenfinsternis am 21. Juni 2001 im Süden Afrikas, wir haben es uns versprochen.