
Mit dem neuen 12-Zoll Dobson sollten diese Probleme nicht
auftreten. Er besitzt im Gegensatz zum 20-Zöller einen Volltubus,
so dass die Justage aller Komponenten, Hauptspiegel, Fangspiegel und
zweier Sucher, bei Auf- und Abbau erhalten bleibt. Er hat eine 300 mm
f/5-Optik mit 1500 mm Brennweite, so dass die Einblickposition von 155
cm im Zenit auch für kleinere Personen vom Boden aus
zugänglich ist. Durch die einfache Handhabung - vor der
Beobachtung muss lediglich der Tubus auf die Montierungswiege
aufgesetzt werden - und die intuitive alt-azimutale
Gleitlagermontierung ist das Teleskop auch für ungeübtere
Beobachter selbständig nutzbar.
Der Dobson wird von der taiwanesischen Firma GSO hergestellt und in
Deutschland von mehreren Teleskophändlern vertrieben. GSO hat
inzwischen einen sehr guten Ruf bei der Herstellung von
Newton-Optiken. Die Optiker von GSO sind in der Lage, auch
größere Parabolspiegel von sehr guter Qualität
maschinell herzustellen. Interferometrische Tests an 8-Zoll- und
10-Zoll- Serienspiegeln lieferten durch die Reihe Strehlwerte im
Bereich über 0,9, also erheblich besser als die
üblicherweise für Beugungsbegrenztheit angenommene Schwelle
von 0,8. Die maschinelle Fertigung erlaubt es GSO, optisch hochwertige
Teleskope auch mit größerer Öffnung zu einem Preis
anzubieten, der vor einigen Jahren noch für erheblich kleinere
Optiken bezahlt werden musste. Mittlerweile hat die Firma Geräte
mit 6, 8 und 10 Zoll Öffnung und seit zwei Jahren nun auch mit 12
Zoll im Lieferprogramm.
Unser Dobson wurde von der Firma Teleskop-Service in München als
Komplettpaket mit drei Okularen, einem 8x50 Sucher und einem
Leuchtpunktsucher geliefert. Nach Zusammenbau der Rockerbox und des
Tubus sowie der Justage der Spiegel und der Sucher brachten Susanne
Munk-Schulenburg und ich ihn auf die Sternwarte. Durch den Volltubus
und die recht sperrige Rockerbox ist er in einem Kombi gerade noch
transportabel. Erste Beobachtungen auf dem Schauinsland konnten bisher
nur bei recht hellem Mondlicht durchgeführt werden. Als
Testobjekte dienten deshalb in erster Linie der Mond, Doppelsterne und
hellere Deep Sky Objekte. Vom Mond lieferte er ein
hochaufgelöstes und kontrastreiches Bild. Epsilon Lyrae, der doppelte
Doppelstern in der Leier, konnte schön in vier runde Sternbilder
getrennt werden. Beim Test am Stern zeigte sich, dass die Optik die in
sie gestellten Erwartungen erfüllt. Vergleiche der intra- und
extrafokalen defokussierten Sternscheibchen zeigten keine
Auffälligkeiten. Auch der Auf- und Abbau des Teleskops ist sehr
einfach, die beiden Komponenten Tubus und Rockerbox sind gut von
jeweils einer Person zu tragen.
Somit besitzen wir nun ein Teleskop, das von den Beobachtern sicher
sehr gern angenommen wird und das es auch weniger versierten
Beobachtern ermöglicht, mit großer Öffnung
selbständig den Sternenhimmel zu erkunden.
Reiner Vogel