Josef Roth, ein Nachruf

Am Sonntag, den 5. August 2001, ist unser langjähriges Waldkircher Mitglied Josef Roth gestorben. Herr Roth hatte bereits vor einigen Jahren einen Herzinfarkt erlitten und ist jetzt an einer weiteren Herzattacke gestorben. Nach Aussage seiner Schwester musste er nicht lange leiden. Seine Beerdigung fand am darauffolgenden Donnerstag statt. Auch Mitglieder der Sternfreunde Breisgau, die mit ihm am besten bekannt waren, gaben ihm das letzte Geleit. Neben Vertretern aus seiner Heimatgemeinde sprach Martin Federspiel am Grab eine Würdigung.

Josef Roth wurde am 5. Oktober 1928 geboren. 42 Jahre verbrachte er in seinem Heimatdorf Nordrach bei Zell am Harmersbach, wo er sich im Vorstand des Schwarzwaldvereins verdient gemacht hat und als Heimatdichter und beliebter Theaterspieler hohes Ansehen genoss. Später in Waldkirch, wo er 30 Jahre lang als Hausmeister und Gärtner im Bruder-Klaus-Krankenhaus tätig war und in seiner Einzimmerwohnung in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte, hat er über drei Jahrzehnte hinweg täglich mehrere Male Wetterdaten gemessen und sorgfältig aufgezeichnet. Die dazu benötigten Formblätter kamen regelmäßig vom deutschen Wetterdienst in Offenbach, wohin er auch seine Beobachtungsergebnisse schickte. Schließlich erhielt er am 7. April 1989 für seine 25-jährige kontinuierliche Beobachtertätigkeit vom Bundesminister für Verkehr Jürgen Warneke eine Ehrenurkunde und Medaille. Von all diesen Talenten und Aktivitäten erfuhren wir erst bei seiner Beerdigung.

Unserem Verein trat Josef Roth am 30. August 1978 bei. Nur neun Mitglieder gehören schon länger unserem Verein an. Vielen Vereinsmitgliedern ist der stille Herr Roth auch durch seine urwüchsige Kinzigtäler Sprache in Erinnerung. Viele "Nordlichter" konnten ihn praktisch nicht verstehen. In früheren Jahren, als es ihm noch besser ging, war er regelmäßiger Gast bei unseren Sternfreundeabenden, bis ihm die Fahrt mit Zug und Straßenbahn schließlich zu beschwerlich wurde.

Unser Verein hat ihm viel zu verdanken. Er, der mit einem geringen Gehalt auskommen musste, gab um das Jahr 1984 für den Bau unserer Sternwarte die größte Einzelspende, eine für ihn gewaltige Summe. Auch in den Folgejahren und bis zuletzt unterstützte er unseren Verein in geradezu beschämender Weise mit namhaften Spenden. Als Dank dafür wurde Herr Roth vor über zehn Jahren zum Ehrenmitglied der Sternfreunde Breisgau gewählt, lange Zeit war er das einzige Ehrenmitglied unseres Vereins.

Josef Roth hat im Garten des Krankenhauses eine kleine beeindruckende Sonnenbeobachtungsstation aufgebaut und betrieben. So bestand die Astronomie für ihn ganz wesentlich aus der konsequenten Beobachtung der Sonne im weißen Licht und in H alpha. Bei einem Besuch konnte ich seine vielen gelungenen Zeichnungen und Aufnahmen bewundern. Besonders beeindruckte mich sein phänomenales Gedächtnis. So konnte er von besonderen Ereignissen auf der Sonne, auch wenn sie Jahrzehnte zurücklagen, mit genauem Datum und in allen Einzelheiten berichten. Sein vor kurzem geäußerter Wunsch war, dass sein umfangreiches Instrumentarium einmal den Sternfreunden Breisgau zugute kommen sollte, in der Erwartung, dass es weiterhin für seine geliebte Sonnenbeobachtung genutzt würde. Schon einige Zeit vor seinem Tod hatte er Vertreter unseres Vorstandes zu sich eingeladen, um die Einzelheiten zu besprechen. Niemand von uns dachte damals daran, dass dies eine letzte Gelegenheit sein würde, mit ihm zu sprechen.

Wir werden Herrn Josef Roth in ehrender Erinnerung behalten. Mit ihm verlieren wir eine beeindruckende Persönlichkeit unserer Vereinsgeschichte.

K.-L. Bath

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Last Update: 1. September 2001
Martin Federspiel