Unser neues Gerät in der Ostkuppel
Die Idee
Seit den Anfängen unserer Sternwarte hatten wir die Vorstellung,
dass sie im Laufe der Zeit über vereinseigene Geräte
verfügen soll. Damals und noch lange Zeit waren wir froh und
dankbar, private Instrumente nutzen zu können. Der Verein
wäre nicht in der Lage gewesen, gleich von Anfang an neben den
Baulichkeiten auch noch das Instrumentarium zu finanzieren. Jetzt also
war die Ostkuppel an der Reihe. Heute ist Volker Buss zu danken, der
über Jahre hinweg seine Montierung mit Teleskop für die
Ostkuppel zur Verfügung gestellt hat, sowie Klaus Benthin
für seine C14-Gabel, die dort jahrelang das private C11 getragen
hatte. In letzter Zeit konnten wir nun durch erhebliche private
Spenden und die Unterstützung durch die Stadt Freiburg die
Ostkuppel mit vereinseigenem Gerät ausstatten. Das Ziel dabei
war, die 3m-Kuppel optimal auszunutzen. So passt jetzt zwischen das
Teleskop und die Kuppelwand ringsherum nur noch eine Hand.
Die Gabelmontierung von Thomas Kraska in Burgpreppach
Die Gabel wurde derjenigen in der Westkuppel nachempfunden, erhielt
allerdings zur weiteren Versteifung eine optimierte innere
Struktur. Zu dem äußerst günstigen Preis kamen wir nur
durch das Entgegenkommen von Herrn Kraska und dadurch, dass die
Montierung gleich vierfach ausgeführt werden konnte.
Ein großes Problem sind üblicherweise die
Schneckenräder. Wir hatten Glück und konnten eines mit 30cm
Durchmesser günstig erwerben. Als es dann eingebaut war, stellte
sich heraus, dass die Oberflächen der Zähne unzählige
kleine Erhebungen aufwiesen, die erst mit der Lupe zu erkennen
waren. Freundlicherweise hat Herr Kraska uns das Schneckenrad
nachbearbeitet, und das auch noch ohne Berechnung. Schneckenräder
gehören auch für Feinmechaniker zur höheren Kunst.
Das neue Newton-Teleskop. Links: Blick von vorne auf den
Hauptspiegel. Rechts: Blick zum Fangspiegel und auf die beiden
Ausgänge.
Zur Deklinationsverstellung. Nach den schlechten Erfahrungen, die wir
in der Westkuppel mit einem Schneckenrad machen mussten, entschieden
wir uns für eine Vorrichtung mit einem Hebelarm, die eine
definitiv spielfreie Korrektur in Deklination ermöglicht. Ein
solches System hat sich in der Westkuppel seit Jahren hervorragend
bewährt. Einziger Nachteil: Man kann das Teleskop nicht mit dem
Computer positionieren, eine Goto-Funktion ist also nicht
möglich. Stattdessen wird die Montierung mit Encodern
eingestellt.
Nachdem die Höhe der Säule (wieder einmal) an die
geänderten Erfordernisse angepasst worden war, wurde die neue
Montierung am 28. September 2002 in der Ostkuppel montiert. Herr
Kraska hatte sie selbst hergebracht und mit aufgebaut. Nun haben wir
das Schneckenrad eingeschliffen, die neue Elektronik angepasst und die
Polhöhe justiert.
Das 370-mm Newtonteleskop von Philipp Keller
Das Teleskop wurde bei der bekannten Firma Astrooptik von Philipp
Keller bestellt. Der Spiegel sollte aus Sital bestehen, dem russischen
Äquivalent zu Zerodur, aus dem auch die 8m-Spiegel auf dem
Paranal in den Anden gefertigt sind - und die modernen
Kochplatten. Nun besteht der Spiegel aber aus Quarz, das ebenfalls
eine minimale Wärmedehnung und zudem noch eine bessere
Wärmeleitfähigkeit aufweist. Da der Spiegel von der Firma
Lomo in St. Petersburg angefertigt wurde, steht seine optische
Qualität außer Diskussion, was auch durch die
mitgelieferten Interferogramme nachgewiesen ist. Das Gerüst des
Teleskops besteht aus rostfreiem Stahl, die Stäbe aus CFK
(kohlefaserverstärktem Kunststoff), der heute wegen seines
geringen Gewichtes, seiner hohen Festigkeit und geringen
Wärmedehnung im Flugzeugbau und in der Weltraumtechnik
vielfältige Verwendung findet.
Das Teleskop hat auf unseren Wunsch hin zwei Ausgänge bekommen,
einen für CCD-Aufnahmen und einen für die visuelle
Beobachtung. Eine feine Sache, kann man sagen, allerdings waren die
dadurch hervorgerufenen Schwierigkeiten bei der Justierung enorm. Ein
normaler Newton ist in einer Stunde justiert, wenn alle dazu
benötigten Vorrichtungen korrekt ausgeführt sind. Hier aber
war ich zusammen mit Ulrich Schüly und Andreas Masche schon sechs
Nachmittage mit der Justierung und ihren Vorrichtungen
beschäftigt, und jedes Mal dachten wir "Beim nächsten Mal
werden wir fertig sein."
Bei der Montierung und ebenso beim Teleskop gab es erhebliche Probleme
mit der Überschreitung der vorgesehenen Liefertermine. Zigmal
angerufen wäre untertrieben. Aber jetzt sind die Montierung und
das Teleskop am Ort ihrer Bestimmung. Sozusagen in letzter Minute
haben wir sie für die Marsopposition fertig bekommen, und die
gehabten Probleme beginnen zu verblassen.
Karl-Ludwig Bath
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Last Update: 22. September 2003
Martin Federspiel