NGC 2359 ist ein Emissionsnebel im Großen Hund, der auch unter
den Namen Duck Nebula oder Thors Helm bekannt ist. Der Nebel befindet
sich recht weit südlich, in der Nähe der beiden Offenen
Sternhaufen M 46 und M 47. NGC 2359 ist einer der Nebel, die wie der
Cirrus-Nebel im Schwan besonders stark von Nebelfiltern
profitieren. Während ohne Filter zunächst nur ein
länglicher Nebelfleck vor einer Gruppe von Sternen auffällt,
zeigt sich mit UHC- oder OIII-Filter erst die ganze Größe
des Nebels, und es lässt sich unter guten Bedingungen eine nach
Norden ziehende schwache Blase erkennen. NGC 2359 besteht, wie zum
Beispiel auch der Crescent-Nebel im Schwan, aus der teilweise
abgestoßenen Atmosphäre eines sogenannten
Wolf-Rayet-Sterns.
IC 410 ist eine HII-Region bei einer auffälligen Sternengruppe im
südlichen Teil des Fuhrmanns. IC 410 ist eingebettet in den
großflächigen Sternhaufen NGC 1893. Der Nebel besitzt eine
Hufeisenform mit einem auffällig dunklerem Innenbereich und einem
Ausläufer nach Südosten. IC 410 ist ein recht großer
Nebel. Von daher sollte man mit kleinen Vergrößerungen
beginnen. Der Einsatz eines UHC- oder OIII-Filters ist auch hier
hilfreich, da durch die Filter der Kontrast zur Umgebungshelligkeit
vergrößert wird. Mit UHC-Filter konnte ich IC 410 schon im
Viereinhalbzöller aus Littenweiler heraus sehen, für Details
braucht es dann aber doch einen dunkleren Himmel und auch mehr
Öffnung. Direkt in der Nachbarschaft gibt es noch eine Reihe
weiterer interessanter Objekte, wie die bekannten Offenen Sternhaufen
M36, M37 und M38, den sehr viel schwierigeren Flaming Star Nebel IC
405, den schwachen, in den Sternhaufen Stock 8 eingebetteten Nebel IC
417, oder den kleinen, aber sehr hellen Nebel NGC 1931.
Abell 12 (PK 198-06.1) im Orion ist ein ganz besonderer Nebel. Er ist,
für sich gesehen, ein kleiner, heller, aber nicht sonderlich
interessanter Planetarischer Nebel. Die Besonderheit liegt darin, dass
er extrem nahe bei µ Ori, einem Stern vierter Größe etwa
drei Grad nordöstlich von Beteigeuze, steht. So sehr µ Ori das
Auffinden des Nebels erleichtert, so sehr erschwert er dessen
Beobachtung. Ein OIII- oder auch ein UHC-Filter ist sehr hilfreich, da
er das Licht des Sterns zu einem großen Teil abblockt. Ansonsten
empfiehlt es sich, hier richtig hoch zu vergrößern (>200x),
um das kleine, nur etwa 35" große Scheibchen des Nebels etwa
eine Bogenminute (!) südöstlich des Sterns in dessen
Strahlenkranz ausmachen zu können. Die Schwierigkeit bei Abell 12
liegt darin, den Nebel das erste Mal zu sehen. Hat man ihn dann einmal
geknackt und weiß, wie er aussieht, kann man gar nicht mehr
nachvollziehen, warum man den nicht gleich gesehen hat. Die Abbildung
gibt einen guten Eindruck vom Erscheinungsbild im Okular. Der Nebel
hat etwa 12. Größenklasse, obwohl er in mehreren Katalogen
mit mag 13.9 angegeben ist.
Der letzte der vier Nebel (und sicher auch der bekannteste unter
ihnen) ist der Merope-Nebel (NGC 1435) in den Plejaden, der somit
ebenfalls leicht zu finden ist. Er ist mein "Himmelsprüfer", an
dem ich die Transparenz einer Winternacht abschätzen kann. Die
Sichtbarkeit des Merope-Nebels hängt sehr stark von der
Dunkelheit des Himmels ab. In Stadtnähe ist es aussichtslos,
diesen Nebel zu sehen, während er auf dem Schauinsland eigentlich
immer gut zu sehen ist. Beim Merope-Nebel muss man ein bisschen mit
der Vergrößerung spielen, um einen optimalen Kontrast
zwischen Nebelhelligkeit und der vom Beobachtungsort abhängigen
Himmelshelligkeit zu erreichen. Der Merope-Nebel ist kein
Emissionsnebel, sondern ein Reflektionsnebel, der vor allem den blauen
Anteil des Lichts des Sterns Merope in den Plejaden reflektiert. Von
daher verbessert auch hier ein UHC- oder ein Deep-Sky-Filter die
Sichtbarkeit deutlich, obwohl der Nebel kein Linienstrahler ist. Der
Merope-Nebel zeigt sich als fächerförmige Aufhellung, die
von Merope weg etwa ein halbes Grad weit nach Süden zieht. Am
auffälligsten ist der Nebel in einiger Entfernung zu Merope, wo
er sich nicht mehr so sehr im Licht des Sterns verliert. Während
der Nebel unter wirklich dunklem Himmel sehr deutlich hervortritt, ist
er unter weniger optimalen Bedingungen oftmals schwierig vom
Streulicht des Sterns, von Dunst in der Atmosphäre oder vom
Streulicht leicht beschlagener oder verschmutzter Okulare zu
unterscheiden. Auch hier gilt dasselbe wie bei Abell 12: Am
schwierigsten ist die Identifizierung des Nebelfächers bei der
ersten Beobachtung. Hat man ihn schon einmal beobachtet und
weiß, wie er im Okular erscheint, so wird man ihn auch unter
weniger optimalen Bedingungen sicher sehen können. Bei Zweifeln
kann ein Vergleich mit den anderen Plejadensternen hilfreich sein, die
zum Teil zwar auch von Nebeln umgeben sind (siehe Bild), deren sichere
Beobachtung aber noch mal eine ganze Ecke schwieriger ist.
Alle vier hier vorgestellten Nebel sind lohnende Ziele, die zum Beispiel in einem 8-Zoll-Teleskop unter dunklem Himmel gut sichtbar sind. UHC- oder OIII-Nebelfilter sind in der Regel hilfreich und zeigen zum Teil erheblich mehr von den Nebeln. Sie sind aber, außer vielleicht bei Abell 12, nicht unbedingte Vorraussetzung für das Erkennen des Nebels. Die Nebel sind von ihrem Charakter her sehr unterschiedlich. Bei NGC 2359 handelt es sich um die abgestoßene äußere Hülle eines Wolf-Rayet-Sterns, IC 410 ist eine HII-Region, also ein typischer Emissionsnebel aus extrem verdünntem Wasserstoffgas, Abell 12 ist ein sehr kleiner, aber recht heller Planetarischer Nebel in einer "interessanten Umgebung", und der Merope-Nebel ist schließlich ein schwacher, weitläufiger Reflektionsnebel im wohl bekanntesten Offenen Sternhaufen. Wer diese vier Nebel beobachtet hat, sollte sich schließlich auch an eines der berühmtesten "Highlights" (nicht im Sinne von Helligkeit) des Wintersternhimmels wagen: den Pferdekopfnebel im Orion, der mit einem H-beta-Filter (befindet sich auf der Sternwarte im Okularschrank) und unserem 12-Zoll Dobson eigentlich immer "drin ist".
| Nebel | Sternbild | RA J2000 | DE J2000 |
|---|---|---|---|
| NGC 2359 | CMa | 07h 19m | -13°12' |
| IC 410 | Aur | 05h 23m | +33°30' |
| Abell 12 | Ori | 06h 02m | +09°39' |
| NGC 1435 (Merope-Nebel) | Tau | 03h 47m | +09°39' |
Reiner Vogel