Eine Beobachtung von Barnards Galaxie ist von unseren Breiten aus immer erschwert durch die horizontnahe Stellung im Schützen in den nur sehr kurzen Sommernächten. Da die Galaxie nur eine sehr geringe Oberflächenhelligkeit besitzt und in einem immer noch recht dichten Sternfeld am Rand der Sommer-Milchstraße steht, ist neben einem allgemein schon dunklen Himmel eine sehr gute Horizontsicht unbedingte Voraussetzung. Der zentrale Bereich der Galaxie kann als schwache Aufhellung gesehen werden, die leicht elongiert und vielleicht 10 Bogenminuten groß ist. Wie Barnards Sichtung mit einem 5-Zoll-Teleskop zeigt, ist für die erfolgreiche Beobachtung der Galaxie nicht die Öffnung des Teleskops entscheidend. Gute Bedingungen sind erheblich wichtiger.
Ich habe die Galaxie in zwei Nächten mit sehr guter Horizontsicht im Juni und im Juli 2006 auf dem Schauinsland mit meinem 22-Zöller mit 150x und 250x beobachtet, entsprechend 3.7 und 2.2 mm Austrittspupille. Die Galaxie erschien als schwache, aber deutliche Aufhellung, die in Nord-Süd-Richtung elongiert ist. Orientierung und Größe konnten anhand der Vordergrundsterne mit einer Fotografie verglichen werden. Ein leichtes Hin- und Herschwenken des Teleskops erleichtert die Abgrenzung der Aufhellung zum Hintergrund. Interessanterweise erschien das Leuchten der Galaxie dabei nicht gleichmäßig, sondern etwas grisselig zu sein. Die hellsten Sterne der Galaxie erreichen mag 15 bis mag 16 und der körnige Gesamteindruck könnte auf eine beginnende Auflösung der hellsten Einzelsterne zurückzuführen sein.
Schon ohne Filter sind mehrere helle Nebelgebiete zu erkennen, die sich im Halo um den zentralen Balken der Galaxie gruppieren. Diese befinden sich vor allem entlang der nördlichen Schmalseite und erstrecken sich von dort weiter nach Westen. Mit Hilfe eines UHC-Filters können sie eindeutig als H II-Regionen identifiziert werden. Viele dieser Nebelgebiete sind auffälliger als die eigentliche Galaxie, was historisch zu einer Reihe von Missverständnissen bei der Beobachtung geführt hat. Bei einigen sind bei höherer Vergrößerung auch Strukturen erkennbar. 10 mutmaßliche H II-Gebiete wurden von Hubble in seinem klassischen Paper von 1925 katalogisiert und tragen Bezeichnungen von Hubble I bis Hubble X.
Barnards Galaxie ist eine außergewöhnliche Galaxie und sollte im Sommer unbedingt einmal auf dem Beobachtungsplan stehen. Ganz in der Nähe von NGC 6822 steht übrigens noch NGC 6818, ein schöner Planetarischer Nebel mit einer hellen Scheibe.
Edwin Hubbles Originalartikel (Hubble E (1925) NGC 6822, a remote stellar system. Astrophysical Journal 62:409) kann vom NASA Astrophysics Data System (ADS) heruntergeladen werden.
Einen tollen Artikel zu Barnards Galaxie von Rich Jakiel gibt es hier. Dort sind auch weitere Daten zu den katalogisierten H II-Regionen in NGC 6822 zu finden.
Barnards Galaxie, NGC 6822, RA 19h 45, DEK -14°48'
Reiner Vogel