
In der Nacht vom 8. auf den 9. November 2003 zieht der Mond auf seiner Bahn um die Erde durch den Erdschatten und wird dabei total verfinstert. Eine Mondfinsternis bietet für Sterngucker zahlreiche Beobachtungsmöglichkeiten, die hier kurz vorgestellt werden sollen.
Zu einer Mondfinsternis kommt es immer dann, wenn Sonne, Erde und Mond
ziemlich genau auf einer Linie stehen. Für einen Beobachter auf
der Erde steht der Mond dann der Sonne am Himmel genau gegenüber
- es ist Vollmond. Wegen der Neigung der Mondbahnebene gegen die
Erdbahnebene zieht der Vollmond normalerweise etwas oberhalb oder
unterhalb am Erdschatten vorbei und es kommt zu keiner
Finsternis. Wenn der Vollmond jedoch in der Nähe der Erdbahnebene
steht, führt ihn sein Weg durch den Erdschatten - es gibt eine
Mondfinsternis. Man unterscheidet partielle und totale
Mondfinsternisse (die sogenannten Halbschattenfinsternisse fallen kaum
auf und seien hier nicht betrachtet). Bei einer partiellen
Mondfinsternis taucht ein Teil des Mondes in den Kernschatten der Erde
ein. Der verfinsterte Teil wird dann nicht mehr von direktem
Sonnenlicht beschienen. Bei einer totalen Mondfinsternis verschwindet
der Mond dagegen vollständig im Kernschatten der Erde.
| (Eintritt des Mondes in den Halbschatten | 23h 15m MEZ) |
| Eintritt des Mondes in den Kernschatten | 00h 32.5m MEZ |
| Beginn der totalen Verfinsterung | 02h 06.3m MEZ |
| Finsternismitte | 02h 18.5m MEZ |
| Ende der totalen Verfinsterung | 02h 30.8m MEZ |
| Austritt des Mondes aus dem Kernschatten | 04h 04.5m MEZ |
| (Austritt des Mondes aus dem Halbschatten | 05h 22m MEZ) |
Die Hauptdaten der Finsternis sowie eine Graphik, die den Weg des Mondes durch den Erdschatten zeigt, sind in diesem Bild von Fred Espenak zu finden (Quelle: Fred Espenaks Seiten zu Sonnen- und Mondfinsternissen).
Der Reiz einer totalen Mondfinsternis besteht darin, daß der
Mond selbst während der Totalität gar nicht vollständig
dunkel erscheint, sondern meistens in fahlen roten, grauen und braunen
Farbtönen schimmert (siehe nebenstehendes Bild der totalen
Mondfinsternis vom 9. Februar 1990). Ursache für diese
"Restbeleuchtung" ist die Erdatmosphäre. Sonnenlicht, das die
Erdatmosphäre an der Tag-Nachtgrenze fast streifend trifft, wird
in der Atmosphäre ähnlich wie in einer Linse ein wenig
abgelenkt und in den Kernschatten der Erde hineingebrochen (siehe
Abbildung). Und weil auf dem langen Weg durch die Atmosphäre der
blaue Anteil des Lichts viel stärker an den Luftteilchen gestreut
wird als der rote, beleuchtet das indirekte Licht den Mond vorwiegend
in warmen Farbtönen. Wir können eine Mondfinsternis als ein
natürliches Experiment auffassen, bei dem der Mond als mobile
Leinwand im Erdschatten dient. Das vom Mond aufgefangene Licht
verrät uns dabei einiges über unsere Erdatmosphäre.

Eine wichtige Rolle für die Beleuchtungsverhältnisse auf dem Mond während der Finsternis spielt die Position des Erdtrabanten im Schatten. In den äußeren Schattenbereichen in der Nähe der Schattengrenze ist es noch relativ hell. Hier dominieren Grautöne gemischt mit etwas Gelb oder Orange. In Richtung Zentrum wird es dann immer dunkler und die Verfärbung ist oft kupferrot bis braun. Bei der Finsternis vom 8./9. November zieht der Mond durch den südlichen Teil des Kernschattens der Erde. Der südliche Teil des Mondes bewegt sich während der Totalität immer im stärker beleuchteten Randbereich des Kernschattens und wird deshalb erheblich heller erscheinen als der zentrumsnähere nördliche Teil des Mondes (siehe Graphik des Finsternisverlaufs).
Helligkeit und Verfärbung des Lichtes im Kernschatten hängen zudem vom Zustand der Hochatmosphäre ab, etwa vom Staubgehalt und von der Bewölkungssituation an der Tag-Nachtgrenze der Erde. Nach einem starken Vulkanausbruch und entsprechenden Aschemengen in der Hochatmosphäre kann es vorkommen, daß der Mond in der Nähe des Schattenzentrums gar nicht mehr zu sehen ist. Das wird am 8./9. November wohl nicht der Fall sein, da es in letzter Zeit keinen wirklich großen Vulkanausbruch auf der Südhalbkugel gab.
Das bisher Gesagte spricht für eine sehr helle Finsternis. Erfahrungsgemäß erscheint der Mond bei Finsternissen, bei denen er im erdnahen Teil seiner elliptischen Bahn steht, etwas dunkler als bei solchen, bei denen er die maximale Entfernung von der Erde hat. Am 8./9. November steht der Mond fast genau in Erdferne, sodass die Finsternis vielleicht zu den allerhellsten zählen wird.
Die Helligkeit und Verfärbung des Mondes bei Mondfinsternissen wird in einer fünfstufigen Skala nach dem französischen Astronomen André Danjon eingeschätzt:
| L=0 | Sehr dunkle Finsternis. Der Mond erscheint grau-schwarz und ist fast unsichtbar, speziell zur Finsternismitte. |
| L=1 | Dunkle Finsternis von grauer oder bräunlicher Färbung. Details lassen sich nur mit Schwierigkeit erkennen. |
| L=2 | Tiefrote oder rostige Färbung. Sehr dunkler Zentralschatten, wohingegen der äußere Rand des Kernschattens relativ hell ist. |
| L=3 | Ziegelrote Färbung. Kernschatten hat gewöhnlich einen hellen oder gelben Rand. |
| L=4 | Sehr helles kupferrot oder orange Färbung. Kernschatten hat einen bläulichen, sehr hellen Rand. Oberflächeneinzelheiten sind ohne weiteres zu erkennen. |
Bitte teilen Sie mir Ihre Einschätzung der Verfärbung und Helligkeit nach der Danjon-Skala mit.
Ein- und Austrittszeiten für 70 Formationen auf dem Mond sowie eine Aufsuchkarte und praktische Hinweise für die Beobachtung finden sich hier.
Erläuterungen zu einigen Spalten (unvollständig):
2003 November
Day Time P Star Sp Mag % Elon Sun Moon CA PA WA Long Lat A B
h m s No D ill Alt Alt Az o o o Lib Lib m/o m/o
9 1 05 42 D 93170mG5 7.8 0E 179 50 226 30U 12 27 +1.0 +0.9 +0.9+3.1
9 1 54 47 R 93170mG5 7.8 10E 179 44 241 36U 296 312 +0.9 +0.9 +1.6-3.2
Martin Federspiel
Viele nützliche Informationen zum Thema Mondfinsternisse finden Sie auch bei http://www.mondfinsternis.org.