
Das neue Jahrtausend beginnt astronomisch gesehen gleich mit einem Highlight. Am Abend des 9. Januar 2001 zieht der Mond auf seiner Bahn um die Erde durch den Erdschatten und wird dabei total verfinstert. Eine Mondfinsternis bietet für Sterngucker zahlreiche Beobachtungsmöglichkeiten, die hier kurz vorgestellt werden sollen.
Zu einer Mondfinsternis kommt es immer dann, wenn Sonne, Erde und Mond
ziemlich genau auf einer Linie stehen. Für einen Beobachter auf der
Erde steht der Mond dann der Sonne am Himmel genau gegenüber - es ist
Vollmond. Wegen der Neigung der Mondbahnebene gegen die Erdbahnebene
zieht der Vollmond normalerweise etwas oberhalb oder unterhalb am
Erdschatten vorbei und es kommt zu keiner Finsternis. Wenn der Vollmond
jedoch in der Nähe der Erdbahnebene steht, führt ihn sein Weg durch
den Erdschatten - es gibt eine Mondfinsternis. Man unterscheidet
partielle und totale Mondfinsternisse (die sogenannten
Halbschattenfinsternisse fallen kaum auf und seien hier nicht
betrachtet). Bei einer partiellen Mondfinsternis taucht ein Teil des
Mondes in den Kernschatten der Erde ein. Der verfinsterte Teil wird
dann nicht mehr von direktem Sonnenlicht beschienen. Bei einer totalen
Mondfinsternis verschwindet der Mond dagegen vollständig im
Kernschatten der Erde.
| (Eintritt des Mondes in den Halbschatten | 18h 44m MEZ) |
| Eintritt des Mondes in den Kernschatten | 19h 42.1m MEZ |
| Beginn der totalen Verfinsterung | 20h 49.8m MEZ |
| Finsternismitte | 21h 20.6m MEZ |
| Ende der totalen Verfinsterung | 21h 51.4m MEZ |
| Austritt des Mondes aus dem Kernschatten | 22h 59.1m MEZ |
| (Austritt des Mondes aus dem Halbschatten | 23h 58m MEZ) |
Die Hauptdaten der Finsternis sowie eine Graphik, die den Weg des Mondes durch den Erdschatten zeigt, sind in diesem Bild von Fred Espenak zu finden (Quelle: Fred Espenaks Seiten zu Sonnen- und Mondfinsternissen).
Der Reiz einer totalen Mondfinsternis besteht darin, daß der
Mond selbst während der Totalität gar nicht vollständig
dunkel erscheint, sondern meistens in fahlen roten, grauen und braunen
Farbtönen schimmert (siehe nebenstehendes Bild der totalen
Mondfinsternis vom 9. Februar 1990). Ursache für diese
"Restbeleuchtung" ist die Erdatmosphäre. Sonnenlicht, das die
Erdatmosphäre an der Tag-Nachtgrenze fast streifend trifft, wird
in der Atmosphäre ähnlich wie in einer Linse ein wenig
abgelenkt und in den Kernschatten der Erde hineingebrochen (siehe
Abbildung). Und weil auf dem langen Weg durch die Atmosphäre der
blaue Anteil des Lichts viel stärker an den Luftteilchen gestreut
wird als der rote, beleuchtet das indirekte Licht den Mond vorwiegend
in warmen Farbtönen. Wir können eine Mondfinsternis als ein
natürliches Experiment auffassen, bei dem der Mond als mobile
Leinwand im Erdschatten dient. Das vom Mond aufgefangene Licht
verrät uns dabei einiges über unsere Erdatmosphäre.

Eine wichtige Rolle für die Beleuchtungsverhältnisse auf dem Mond während der Finsternis spielt die Position des Erdtrabanten im Schatten. In den äußeren Schattenbereichen in der Nähe der Schattengrenze ist es noch relativ hell. Hier dominieren Grautöne gemischt mit etwas Gelb oder Orange. In Richtung Zentrum wird es dann immer dunkler und die Verfärbung ist oft kupferrot bis braun. Bei der Finsternis vom 9. Januar zieht der Mond durch den nördlichen Teil des Kernschattens der Erde. Der nördliche Teil des Mondes bewegt sich während der Totalität immer im stärker beleuchteten Randbereich des Kernschattens und wird also heller erscheinen als der zentrumsnähere südliche Teil des Mondes (siehe Graphik des Finsternisverlaufs).
Helligkeit und Verfärbung des Lichtes im Kernschatten hängen zudem vom Zustand der Hochatmosphäre ab, etwa vom Staubgehalt und von der Bewölkungssituation an der Tag-Nachtgrenze der Erde. Nach einem starken Vulkanausbruch und entsprechenden Aschemengen in der Hochatmosphäre kann es vorkommen, daß der Mond in der Nähe des Schattenzentrums gar nicht mehr zu sehen ist. Das wird am 9. Januar wohl nicht der Fall sein, da es in letzter Zeit keinen wirklich großen Vulkanausbruch auf der Nordhalbkugel gab.
Das bisher Gesagte spricht für eine relativ helle Finsternis. Erfahrungsgemäß erscheint der Mond bei Finsternissen, bei denen er im erdnahen Teil seiner elliptischen Bahn steht, etwas dunkler als bei solchen, bei denen er die maximale Entfernung von der Erde hat. Am 9. Januar steht der Mond fast genau in Erdnähe, sodass die Finsternis vielleicht nicht zu den allerhellsten zählen wird.
Die Helligkeit und Verfärbung des Mondes bei Mondfinsternissen wird in einer fünfstufigen Skala nach dem französischen Astronomen André Danjon eingeschätzt:
| L=0 | Sehr dunkle Finsternis. Der Mond erscheint grau-schwarz und ist fast unsichtbar, speziell zur Finsternismitte. |
| L=1 | Dunkle Finsternis von grauer oder bräunlicher Färbung. Details lassen sich nur mit Schwierigkeit erkennen. |
| L=2 | Tiefrote oder rostige Färbung. Sehr dunkler Zentralschatten, wohingegen der äußere Rand des Kernschattens relativ hell ist. |
| L=3 | Ziegelrote Färbung. Kernschatten hat gewöhnlich einen hellen oder gelben Rand. |
| L=4 | Sehr helles kupferrot oder orange Färbung. Kernschatten hat einen bläulichen, sehr hellen Rand. Oberflächeneinzelheiten sind ohne weiteres zu erkennen. |
Bitte teilen Sie mir Ihre Einschätzung der Verfärbung und Helligkeit nach der Danjon-Skala mit.
Ein- und Austrittszeiten für 70 Formationen auf dem Mond sowie eine Aufsuchkarte und praktische Hinweise für die Beobachtung finden sich hier.
Erläuterungen zu einigen Spalten (unvollständig):
1I.O.T.A. (PC Version) TOTAL OCCULTATION PREDICTIONS FOR 2001 PAGE 3 OPTIONS -- 2,0,0,0 ADDRESS CODE AU329
COORDS., LOCATION, IDENT.-- E 7 54 08.7, +48 03 04.5, +0272M -- HEUWEILER, GERMANY -- 008ISP M.FEDERSPIEL -- STATION CODE SU329
DAY TIME-UT P AC OBJECT O MAX SP PCT ELG SN MN MN CA PA VA WA LONG LAT A B C HA DECL. RT. ASC.
H M S D V MAG SNLT AL AL AZ LIB LIB M/O M/O S/K O / // O / // H M S
JANUARY JANUARY ************************************************ JANUARY
9/17 13 06/DO 1 FK5 279 99 3.5 F0 100+ 179 13 72 7N 35 78 25 -.5 .3 .6 2.4 .3 -943411 215846 72011.4
ABOVE STAR IS A DOUBLE STAR - OBSERVE AND REPORT THE COMPONENTS CAREFULLY
DISTANCE TO SMOOTH-MOON TERMINATOR = .0 ARC SEC., DISTANCE TO POSSIBLE 3-KM SUNLIT PEAK = .0 ARC SEC.
9/17 45 29/RO 2 FK5 279 94 3.5 F0 100+ 179 19 77-69N 318 3 309 -.5 .3 -.6 .0-1.4 -862707 215846 72011.4
ABOVE STAR IS A DOUBLE STAR - OBSERVE AND REPORT THE COMPONENTS CAREFULLY
POSSIBLE LUNAR ECLIPSE -- SPECIAL MAGNITUDE LIMITS CALCULATED.
9/19 52 56/R 3 PPM 97486 93 10.1 F8 0E 179 39 100 99U 325 10 315 -.5 .0 -1.4-1.0-1.5 -555114 220358 72537.7
9/19 33 10/D 3 PPM 97497 94 9.5 F8 24E 179 36 96 97U 24 71 15 -.5 .0 .3 4.1 .6 -605536 220503 72603.1
9/20 01 12/R 3 PPM 97497 95 9.5 F8 0E 179 40 102 93U 331 16 321 -.5 .0 -1.6-1.7-1.8 -535316 220503 72603.1
9/19 19 20/D 2 PPM 97498 95 9.0 R5 44E 179 33 93 76U 76 123 67 -.4 .0 -.4 1.6 -.5 -642509 215317 72610.5
9/20 20 24/R 2 PPM 97498 95 9.0 R5 0E 179 43 106 66U 279 323 269 -.6 .0 -1.0 .9 -.7 -490641 215317 72610.5
9/20 24 07/D 2 PPM 97549 95 8.8 F2 0E 179 43 106 65U 89 133 79 -.5 -.1 -.9 1.2 -.6 -484913 215055 72843.8
9/21 31 13/R 2 PPM 97549 95 8.8 F2 52E 179 53 124 71U 269 306 259 -.7 -.1 -1.3 .9 -.4 -315954 215055 72843.8
9/20 32 58/D 2 PPM 97555 96 8.2 G0 0E 179 45 109 52U 127 171 117 -.5 -.1 -1.3 -.2-1.0 -463726 214033 72848.7
9/21 26 01/R 2 PPM 97555 96 8.2 G0 44E 179 53 123 60U 231 269 221 -.6 -.1 -1.0 2.4 .0 -331935 214033 72848.7
9/20 29 51/D 2 PPM 97557 96 8.1 K0 0E 179 44 108 66U 96 139 86 -.5 -.1 -1.0 1.0 -.6 -472609 214905 72856.4
9/21 36 56/R 2 PPM 97557 96 8.1 K0 61E 179 54 126 75U 263 299 253 -.7 -.1 -1.3 1.1 -.3 -303707 214905 72856.4
END OF POSSIBLE LUNAR ECLIPSE PERIOD.
Martin Federspiel