Heller Komet am dämmrigen Januarhimmel?

Kometen sind immer für eine Überraschung gut. Wenn wir Glück haben, entwickelt sich der Komet C/2006 P1 (McNaught) weiterhin so überdurchschnittlich gut wie in den vergangenen Monaten seit seiner Entdeckung im August. Die maximale scheinbare Helligkeit könnte zwischen +2 und -2 mag erreichen, wenn der Kometenkern am 13. Januar 2007 die Sonne in nur 0.17 AE Abstand passiert.

Die Prognose von Kometenhelligkeiten ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Die Beobachtung dieses Schweifsterns ist auch im günstigsten Fall nicht ganz einfach, da der Winkelabstand von der Sonne nur gering ist, wie ein Blick auf die Sternkarte zeigt (die Sonnenposition gilt für den 10. Januar). Komet McNaught bewegt sich im Raum auf einer leicht hyperbolischen Bahn, die ihn zunächst nördlich der Ekliptik von der erdabgewandten Seite her kommend über die Sonne führt. Kurz nach dem Periheldurchgang im Raum zwischen Sonne und Erde durchquert McNaught die Ebene der Ekliptik nach Süden.

Bahn des Kometen 2006/P1 (McNaught) zum Jahreswechsel 2006/2007. Der Komet bewegt sich zunächst nördlich der Sonne (Sonnenposition gilt für den 10. Januar 2007) und ist dabei hoffentlich in der Morgen- und Abenddämmerung zu beobachten.

Die besten Beobachtungschancen für uns Mitteleuropäer bestehen in den ersten 10 Januartagen, wenn Komet McNaught in der nautischen und bürgerlichen Morgendämmerung aufgeht und wenige Grad über den Horizont klettert, bevor die Sonne aufgeht. Abends dann kehrt sich das Schauspiel um: Der Komet geht während der Dämmerung kurz nach der Sonne unter. Ein möglichst freier Blick zum Horizont und beste atmosphärische Transparenz sind also Voraussetzung für eine erfolgreiche Kometenjagd. Vielleicht entwickelt McNaught ja einen langen und hellen Schweif, der auch am dunkleren Himmel zu sehen ist, wenn der Komentenkopf morgens noch nicht aufgegangen bzw. abends schon untergegangen ist. Drücken wir also die Daumen, dass sich eher die optimistischen Helligkeitsprognosen bewahrheiten!

Wenigstens einen Vorteil hat der geringe Winkelabstand des Kometen von der Sonne um die Zeit des Periheldurchgangs: Der Coronograph (LASCO C3, "blaues" Bild) an Bord der Sonnen-beobachtungssonde SOHO hat ihn mit im Blick. Dann kann jedermann im Internet auf der SOHO-Seite zeitnah mitverfolgen, ob der Komet die Sonnenpassage in geringer Entfernung überhaupt übersteht oder ob er durch die enorme Sonneneinwirkung in viele Fragmente auseinander bricht und sich auflöst.

Martin Federspiel


Zurück zur Hauptseite der Sternfreunde Breisgau
Last Update: 20. Dezember 2006
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)