Bezüglich der visuellen Beobachtung zählen diese Hickson-Gruppen zu den schwierigeren Objekten und erfordern in der Regel große Teleskope für die erfolgreiche Beobachtung. Die einzelnen Komponenten erscheinen meist sehr klein, oft nur wenige 10 Bogensekunden groß, und sind auch sehr lichtschwach. Innerhalb der Gruppen stehen die einzelnen Galaxien sehr eng beeinander, oft nur eine Bogenminute oder weniger voneinander entfernt. Es gibt jedoch einige Hickson-Gruppen, die auch kleineren Teleskopen zugänglich sind. Hickson 44 im Löwen und Hickson 68 in den Jagdhunden sind beispielsweise schon mit 8 Zoll Öffnung ein lohnendes Ziel. Hickson 61 in der Coma und Hickson 56 im Großen Bären sollten ab 12 Zoll gehen, und auch Hickson 51, 79 und 57 können mit 12 bis 14 Zoll gesehen werden. Letztere allerdings mit der Einschränkung, dass sie nicht oder nur schwierig in Einzelgalaxien getrennt werden können. Die ersten vier Gruppen stellen somit einen guten Einstieg in die Beobachtung der Hickson-Gruppen dar, während die letzten drei schon etwas mehr Herausforderung bieten. Sie sind jedoch alle erreichbar mit unseren Geräten auf dem Schauinsland, mit dem 12-Zoll-Dobson als auch mit dem C14, und mit dem 20-Zöller sowieso. Die meisten der vorgestellten Gruppen beinhalten NGC-Galaxien oder sind von einer solchen ausgehend leicht zu finden. Sie sind somit in der Uranometria verzeichnet oder es können Aufsuchkarten mit Hilfe der gängigen Sternkartenprogramme erstellt werden.
Hickson 44 im Löwen ist für eine Hickson-Gruppe ungewöhnlich
weitläufig und ist über ein Feld von etwa 20 Bogenminuten
verteilt. Die Gruppe befindet sich im Kopf des Löwen zwischen g und z
Leonis und bietet einen schönen Anblick im Okular. Die drei hellsten
Mitglieder NGC 3190, 3193 und 3185 stehen in einer Reihe und sind mit
mag 11 bis 12 recht hell und somit leichtes Futter schon für einen
8-Zöller. Das schwächere vierte Mitglied, NGC 3187, hat eine viel
geringere Oberflächenhelligkeit und ist als stark elongierte
Aufhellung etwas schwieriger zu sehen.
Hickson 61 befindet sich in der nordwestlichen Ecke der Coma
Berenices und hat ein ungewöhnliches Erscheinungsbild. Die vier
Mitglieder bilden ein fast perfektes Rechteck mit etwa 5 Bogenminuten
Kantenlänge. Dieser regelmäßige Eindruck wird durch die edge-on
Stellung von b, c und d (NGC 4173, 4175 und 4174) noch
unterstrichen. Die Gruppe hat von daher den Eigennamen The Box
erhalten. Das hellste Mitglied a, NGC 4169, erscheint im Vergleich zu
den anderen drei Komponenten nur leicht elongiert. Die Mitglieder von
Hickson 61 haben 12. (a) und 13. Größenklasse (b, c und d) und sind
wahrscheinlich schon mit einem 12- Zöller machbar. Ich habe alle vier
mit 14 Zoll beobachtet. B ist hierbei die schwierigste Komponente, da
sie im Vergleich zu den anderen Mitgliedern eine geringere
Oberflächenhelligkeit besitzt.
Hickson 68 befindet sich am östlichen Ende der Jagdhunde und ist mit
10 Bogenminuten Ausdehnung schon erheblich enger. Die drei hellsten
Mitglieder a, b und c (NGC 5353, 5354 und 5350) haben etwa
11. Größenklasse und sind ebenfalls schon gut im 8-Zöller zu sehen. A
und b bilden hierbei ein enges Paar, während die Spiralgalaxie c
etwas weiter entfernt steht. Die Komponenten d und e (NGC 5355 und
5358) sind schwächer und kleiner und erfordern etwas mehr
Öffnung. Hickson 68 ist für kleinere Teleskope sicher die schönste der
Hickson-Gruppen.
Hickson 56 befindet sich südlich des Kastens des großen Wagens, etwa 7
Bogenminuten südlich von NGC 3718, einer Spiralgalaxie, die für sich
schon einen Besuch wert ist. Etwas weiter östlich steht noch NGC
3729. Bei Hickson 56 (enthält keine NGC-Galaxien) stellt sich schon
richtiges "Hickson-Feeling" ein. Vier Galaxien, b, c, d und e, bilden
eine Reihe, die nur etwa 2 Bogenminuten lang ist. A als hellstes
Mitglied steht ein wenig abseits. In meinem 14-Zöller konnte ich
Hickson 56 als längliches Gewusel indirekt halten, eine Auflösung in
Einzelkomponenten gelang aber nicht. Kein Wunder, die einzelnen
Mitglieder haben etwa 15. Größenklasse (d ist nochmal schwächer). Mit
dem 20-Zöller lassen sich dann einzelne Knoten erkennen und A kann mit
viel Geduld vielleicht auch als Einzelgalaxie gesehen werden. Hickson
56 ist sicher nicht leicht, lässt sich durch die Nähe zu NGC 3718
jedoch leicht finden und ist somit vielleicht schon mit 12 Zoll einen
Versuch wert.
Wer diese vier Hicksons beobachtet hat, sollte sich auf jeden Fall auch an die folgenden drei, Hickson 51, 57 und 79, heran wagen. Mit dem C14 und dem 20-Zöller haben wir ja das dazu nötige Equipment auf der Sternwarte. Ich habe alle drei schon mit 14 Zoll sehen können, eine vollständige Auflösung in Einzelkomponenten gelang aber nicht einmal mit dem 20-Zöller. Der visuelle Eindruck ist bei allen dreien ähnlich: Ein auffälliges Gewusel von kaum haltbaren schwachen Lichtfitzelchen!
Hickson 51 ist eine Gruppe von sieben Galaxien im Löwen auf einem Feld
von 5 Bogenminuten mit NGC 3651 als hellster Einzelgalaxie. In meinem
Beobachtungsbuch habe ich vor einem Jahr festgehalten: "blickweise
Einzelgalaxien, sonst eher sich in scheinbarer Bewegung befindliches
Feld".
Hickson 57, auch bekannt unter dem Eigennamen Copelands
Septett, besteht aus zwei etwa 3 Bogenminuten langen Reihen von
jeweils drei Einzelkomponenten, das schwächste Mitglied g steht etwas
abseits. Die hellste Einzelgalaxie ist NGC 3753. Mit 14 Zoll war diese
Zweiteilung gut zu erkennen, eine weitere Auflösung aber nicht
möglich. Im Vergleich zur vorherigen Gruppe sieht man diesmal also
zweimal Gewusel anstatt nur einmal.
Hickson 79 in der Schlange hat den NGC-Eintrag 6027 A bis E und ist
bekannt als Seyferts Sextett (die vermeintliche 6. Komponente stellt
lediglich einen durch gravitative Wechselwirkung herausgezogenen Arm
von b dar). Selbst im 14-Zöller auffällig als wuselndes Etwas von
vielleicht zwei oder drei Bogenminuten Durchmesser. Viel mehr war auch
mit dem 20- Zöller nicht drin. Blickweise waren zwar immer wieder
Knoten zu sehen, aber nicht eindeutig lokalisierbar. Die Komponenten
sind zum Teil nur 20 Bogensekunden voneinander entfernt. Um überhaupt
eine Chance auf Einzelgalaxien zu haben, muss mindestens 500x
vergrößert werden, und da wird es auch bei einem halben Meter
Spiegeldurchmesser schon ziemlich dunkel.
Die Hickson-Gruppen haben also ihren eigenen Reiz und einige können auch mit kleinen und mittleren Teleskopen wenigstens "gesehen" werden. Die hier vorgestellten Beispiele stellen nur einen Einstieg in die Beobachtung dieser interessanten Objekte dar, es gibt noch einige mehr, die auch in der Reichweite eines 12-Zöllers liegen. Mehr davon kann man auf den Internetseiten von Steve Gottlieb und Jim Shields (auch für andere Beobachtungsprojekte eine sehr lohnende Informationsquelle!) und von Ray Cash finden.
| Hickson Gruppe | hellste Galaxie | RA DE J2000 |
|---|---|---|
| Hickson 44 | NGC 3190 | RA 10h18.1m Dek +21.8° |
| Hickson 68 | NGC 5353 | RA 13h53.4m Dek +40.3° |
| Hickson 61 | NGC 4196 | RA 12h12.3m Dek +29.2° |
| Hickson 56 | bei NGC 3718 | RA 11h32.8m Dek +52.9° |
| Hickson 51 | NGC 3651 | RA 11h22.4m Dek +24.3° |
| Hickson 57 | NGC 3753 | RA 11h37.9m Dek +22.0° |
| Hickson 79 | NGC 6027 | RA 15h59.2m Dek +20.8° |
Reiner Vogel