Spannend bis zum Schluss: Streifende Sternbedeckung SAO 75987 durch den Mond

Der Mond wanderte am Abend des 1. April vor dem Stern SAO 75987 vorbei. Diese Bedeckung verlief im Raum Freiburg direkt am Rand des Mondes und damit streifend. Bei solchen streifenden Bedeckungen kann es vorkommen, dass der Stern durch verschiedene Gipfel der am Mondrand stehenden Berge nacheinander mehrmals bedeckt wird und dazwischen in Mondtälern wieder sichtbar wird und aufblinkt. Zeichnet man die Zeiten der Bedeckungen und des Wiederaufblinkens auf die Zehntelsekunde genau auf, kann man aus diesen Zeiten die Breite der Berge und Täler an dieser Stelle auf dem Mond von der Erde aus mit Amateurteleskopen messen. Führt man solche Messungen an mehreren Beobachtungsstationen aus, ergibt sich eine Vermessung des Mondrandprofils. Das Mondrandprofil wird hiermit genauer beschrieben als bisher bekannt. Daher ist die Beobachtung streifender Sternbedeckungen eine gute Gelegenheit für Amateur-Astronomen, zur Gewinnung von Informationen von wissenschaftlichem Wert beizutragen.

Der am 1. April bedeckte Stern hat eine Helligkeit von 7,2ter Größenklasse, konnte also mit Teleskopen ab ca. 12,5 cm Öffnung auch neben dem Mond gut gesehen werden. Die Bedeckung fand am Samstag abend um 21:30 Uhr MESZ statt, also zu einer recht angenehmen Zeit. Diese vielversprechenden Bedingungen ermutigten Lutz Bath und mich dazu, mit Hilfe von Martin Federspiel ein Beobachtungsprogramm zu organisieren und dafür auf dem Sternfreundeabend zu werben, der wenige Tage vor dem Ereignis stattfand. Wir zeigten auf dem Sternfreundeabend eine Video-Aufzeichnung von Lutz Bath, mit der er bei einem ähnlichen Beobachtungsprogramm am 31.3.2001 bei Montbeliard die streifende Bedeckung von eta Geminorum dokumentiert hatte. Zu unserer Freude konnten wir für das aktuelle Ereignis so viele Interessenten gewinnen, dass sechs Beobachtungsstationen möglich wurden, die wir auf dem Tuniberg festlegten.

Die größte Unsicherheit bei der Beobachtung einer streifenden Sternbedeckung ist das Wetter - vor allem natürlich zu dieser Jahreszeit. Die Wettervoraussagen waren dementsprechend sehr zweifelhaft und wir hatten am Tag der Bedeckung erwartungsgemäß Aprilwetter und mittags sogar ein Gewitter. Dennoch entschlossen wir uns, das Beobachtungsprogramm durchzuführen, denn nach dem Gewitter klarte es in Richtung Westen auf. Das war die Blickrichtung, in der zum entscheidenden Zeitpunkt um 21:30 Uhr der Mond stehen würde.

Als ich gegen 19:00 Uhr zu unserem Treffpunkt bei Tiengen aufbrach, war dies die erste astronomische Exkursion, die ich bei Regen begann. Es waren jedoch nur ein paar letzte Tropfen, die der Wolkenstau am Schwarzwald abregnete und der offene Himmelsspalt im Westen hielt sich so standhaft, dass ein Beobachtungsversuch nicht vollkommen sinnlos erschien. Dies war auch die Meinung der anderen Exkursionsteilnehmer*, die trotz des dubiosen Wetters vollzählig nach Tiengen gekommen waren. Die Teilnehmer wurden zu ihren eingemessenen Beobachtungsplätzen am Tuniberg gebracht, die alle einen offenen Ausblick in Richtung Westen aufwiesen. Die grandiose Aussicht über die Rheinebene bis zu den Vogesen und dem Schweizer Jura und auch zur gegenüberliegenden Seite bis zur gesamten Gipfelkette des Schwarzwalds entlang wurde mit Erstaunen wahrgenommen. Der Tuniberg bietet trotz seiner geringen Höhe einige hübsche Aussichtspunkte.

Beim Aufbauen der Teleskope ist der Mond mehrfach zwischen den Wolken sichtbar. Das erleichtert das Einrichten der Anlage, doch die Dämmerung beginnt nun erst und damit das Warten auf die Sichtbarkeit des Sterns, hoffentlich zur richtigen Zeit, der seiner Bedeckung. An unseren Beobachtungsplätzen haben wir konstanten Südwind, die Wolkenbänke ziehen aber von Nordwesten herein, es sind also turbulente und instabile Wetterverhältnisse. Leider wird nun auch der Mond immer häufiger hinter schnell ziehenden Wolken versteckt und etwa eine Dreiviertelstunde vor der entscheidenden Zeit nähert sich eine breite Wolkenbank, von der wir nur hoffen können, dass sie schnell genug durchzieht, um den offenen Himmel dahinter für uns noch rechtzeitig freizugeben. Nach dem schnellen Wolkenzug und dem sich dadurch auch schnell nähernden Himmelsspalt zu urteilen scheint dies aber möglich zu sein. Wir können beobachten, wie die Wolkenbank auf ihrem Weg zu uns mehrere lokale, kleine Regenschauer freigibt und decken unsere Teleskope ab. Während die Wolke über uns hinweg zieht, werden auch wir von einigen Regentropfen getroffen. Schlimmer aber ist, dass die Wolken sich nun verteilen und der Himmelsspalt, auf den wir gehofft hatten, sich zunehmend schließt bzw. so weit entfernt bleibt, dass wir nicht mehr auf eine rechtzeitige Beobachtung des Mondes und der streifenden Sternbedeckung hoffen können. Schade, es war wirklich knapp. Hätten sich die Wolken nicht noch in den letzten zehn Minuten verteilt, hätte der Himmel sich noch rechtzeitig öffnen und eine Beobachtung ermöglichen können. So aber wurde nichts daraus, nur Spannung bis zum Schluss.

Am späteren Abend, wieder zu Hause, konnte ich übrigens einen wunderbar klaren Mond aus dem Fenster heraus beobachten - es war halt der erste April.

* Manfred Steinmann, Hartmut Hanselmann, Lutz Bath, Ulrich Kanstinger, Timo Hein, Elias Danner, Bernd Graf

Ulrich Schüly


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Last Update: 8. Mai 2006
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)