Jetzt hat auch Freiburg einen Planetenweg. Das freut das
Astronomenherz. Initiiert wurde der Planetenweg von Armin Keller,
einem Ausbilder beim Internationalen Bund (IB) in Freiburg. Die Azubis
des IB haben diese Idee zusammen mit ihren Ausbildern aus
verschiedenen Fachbereichen schließlich umgesetzt. Ich musste
mir den neuen Planetenweg zusammen mit meiner Frau gleich einmal
anschauen.
Der Planetenweg beginnt an der Dreisam-Brücke Fabrikstraße. Das ist in der Nähe der Ganter-Brauerei und der Maria-Hilf-Kirche. Von dort führt er an der Dreisam entlang flussaufwärts bis zur Nepomuk-Brücke in Ebnet. Insgesamt sind es 2,8 km, ein angenehmer Spazierweg also. Was mich zunächst irritierte: Der Planetenweg beginnt mit Neptun, dem seit kurzem äußersten Planeten. Dann aber gefiel mir die Idee immer besser. So hat man beim Erwandern unser Zentralgestirn, die Sonne, als Ziel im Sinn und nicht den fernen und nur im Teleskop erkennbaren finsteren Planeten Neptun. Eine schön gestaltete und durch eine Plexiglasscheibe geschützte Schrifttafel informiert über die wichtigsten Daten Neptuns. Die Texte zu den einzelnen Planeten stammen übrigens von dem Freiburger Journalisten und SFB-Mitglied Christian Dombrowski. Der Planet Neptun selbst fehlt indessen. Es handelte sich vermutlich um eine 3 cm große bläuliche Kugel, die auf dem kurzen 4-mm-Stift saß. Mit einem Handgriff abgezogen und als Trophäe in eine Hosentasche gesteckt hat Neptun die Einweihung vermutlich nur kurz überlebt.
Weiter führte uns der Weg der Dreisam entlang zum nächsten Planeten, dem Uranus. Auch der verfügt über eine schöne Informationstafel, den Planeten selbst allerdings hatte dasselbe Schicksal ereilt wie schon Neptun. Es ist erschreckend, dass eine so eindrucksvolle Bereicherung wie ein Planetenweg nur so kurz Bestand hat. Bei Saturn dann hatten wir mehr Glück. Er war noch da, und auch sein Ring. Beide sind bemalt, so dass man sich einen gewissen Eindruck von ihrem Anblick im Fernrohr machen kann. Der Ring ist mit seinen 4 mm im Verhältnis viel zu dick. Aber was soll man machen? Maßstabsgerecht wäre er noch nicht einmal ein Mikrometer dick geworden. Unser größter Planet, der Jupiter, ist ebenfalls bemalt und zeigt seine berühmten Wolkenstreifen.
Damit ist die Planetengalerie leider schon zu Ende. Mars, Erde, Venus
und Merkur haben wie die beiden äußersten Planeten schon
ihre Liebhaber gefunden. Hätte man das besser machen können?
Ich denke, eine sicherer wäre gewesen, die Planeten z.B. durch
ein Plexiglasgehäuse zu schützen, oder man müsste
gleich auf eine körperliche Darstellung verzichten. Dass die
schönen bunten Kugeln bald verschwinden würden, das war wohl
abzusehen. Und jetzt die Sonne.
Die Sonne? Ich hatte erwartet, sie als eine 1 m große
Kreisscheibe von der "Erde" aus zu sehen, wo sie dann in ihrem
natürlichen Betrachtungswinkel von 0,5 Grad zu sehen gewesen
wäre. Entsprechend größer wäre sie dem Auge dann
von der Venus und vom Merkur aus erschienen. Diese Chance wurde leider
nicht wahrgenommen. Also, wo war die Sonne denn nun? Nach einigem
Suchen fanden wir sie schließlich unmittelbar vor der
Nepomuk-Brücke etwas abseits in einem Seitenweg. Wieder mit einer
schön gestalteten Schrifttafel, aber nicht als große
Scheibe oder Kugel, sondern lediglich als eine angedeutete Sphäre
aus einigen "Metallmeridianen".
Unmittelbar oben an der Brücke gibt es eine Bushaltestelle, die
uns auch sofort einen Omnibus bescherte. Andernfalls wären wir
halt die 10 Minuten zur Straßenbahnendhaltestelle Littenweiler
gelaufen. So fuhren wir nun nach Hause mit der etwas getrübten
Freude, dass auch Freiburg jetzt seinen Planetenweg hat. - Wie ich
gerade höre, sind die fehlenden Planeten inzwischen wieder
ergänzt worden. Die Initiatoren des Planetenweges denken
unterdessen selbst an verschiedene Verbesserungen, schlimmstenfalls
an eine Verlegung des Standorts, wenn der Vandalismus nicht
nachlässt. Danach wird der Freiburger Planetenweg hoffentlich zu
einem wirklich schönen Erlebnis geworden sein.
Internetseite des Freiburger Planetenwegs: http://freiburger-planetenweg.de
Karl-Ludwig Bath