Der Meteoritenfall von Ensisheim

und unsere

Exkursion ins Elsaß

Am Sonntag, den 19. Oktober fanden sich vor der Gewerbeschule in Freiburg einige Sternfreunde zusammen, um gemeinsam eine astronomische Exkursion ins Elsaß zu unternehmen.

Die erste Station war Hattstatt. Dort besuchten wir Herrn Teichert, einen versierten Planetenbeobachter, der uns durch seine liebevoll gestaltete kleine Ausstellung führte. Aus seinen langjährigen Beobachtungen sind viele gut dokumentierte Aufzeichnungen hervorgegangen. Dabei beobachtete er die Oberflächen auf den Planeten Mars (z.B. die Polkappen), Jupiter und Saturn und ihre Veränderungen. Die am häufigsten beobachteten Erscheinungen sind Winde und Sandstürme. Auf den Gasplaneten können sie die Stärke von irdischen Wirbelstürmen um ein Vielfaches übertreffen. Zu den Zeichnungen notiert Herr Teichert auch die genaue Zeit und die Beobachtungsbedingungen. Man merkt hier wieder einmal, wie wichtig eine genaue und ausführliche Dokumentation gerade in der Astronomie ist, und daß die reine Beobachtung immer noch ein wichtiger Schlüssel zu neuen Erkenntnissen sein kann. Die Zeichnungen sind mit viel Sorgfalt und Mühe angefertigt und auch künstlerisch ansprechend. Seine Beobachtungen macht Herr Teichert mit einem Celestron 11 ohne jegliche Zusatzausrüstung. Es ist beeindruckend, wie man mit relativ geringen Mitteln solch tolle Ergebnisse erzielen kann, wenn man genügend Zeit und Ehrgeiz aufbringen kann. Seine Arbeit löste bei uns große Bewunderung aus. Früher sammelte Herr Teichert auch sog. Mikrometeorite in einer Schüssel auf, um sie dann im Mikroskop zu untersuchen.

Unsere nächste Station war ein vorzügliches Restaurant in Hattstatt, wo sich bei elsässischem Flammkuchen, Pizza, Rotwein und anderen Delikatessen die Gelegenheit zu weiteren Unterhaltungen und zum besseren Kennenlernen bot. Dann ging es weiter in Richtung Ensisheim. Dort ist im Palais de la Regence, dem Rathaus, außer einem Bergbaumuseum und einer archäologischen Ausstellung ein etwa 56kg schwerer Steinmeteorit ausgestellt (sowie ein Dünnschliff davon), der im November des Jahres 1492 auf einem nahen Feld niedergegangen und als "Donnerstein von Ensisheim" berühmt geworden war. Ursprünglich wog er 127kg, jedoch wurden in der Vergangenheit mehrfach Stücke abgeschlagen. Der Fall sorgte damals für großes Aufsehen, und seine Identität als Meteorit, als ein Stein also, der vom Himmel fällt, galt lange Zeit als umstritten. Der Humanist Sebastian Brant aus Basel verfaßte noch im gleichen Jahr einen Einblattdruck (einen Vorläufer unserer Zeitung) mit der Überschrift "von dem donnerstein gefalle jm xcij. iar vor Ensisheim". Brant sah in dem Meteoritenfall ein göttliches Zeichen gegen die Franzosen und ermutigte König Maximilian I. zum Kriegeszug gegen Frankreich.

Auch bei uns, den Exkursionsteilnehmern, löste der Meteorit Erstaunen aus. Einige standen zum erstenmal so dicht vor einen Stück extraterrestrischer Materie, einem Stück des Kosmos und zum Greifen nahe. Das altehrwürdige Ensisheimer Rathaus, das in der Geschichte Ensisheims eine tragende Rolle gespielt hat, ist ein würdiger Aufbewahrungs- und Ausstellungsort für den Meteoriten, dieses Geschenk des Himmels.

Zum Schluß der Exkursion besuchten wir das Optikmuseum in Biesheim unweit Neubreisach. Es ist in einem sehr modernen Gebäude untergebracht. Biesheim ist recht wohlhabend (Kaugummifabrik) und scheute weder Mühe noch Kosten, um dieses schöne Museum aufzubauen und einzurichten. Ausgestellt sind zahlreiche optische Geräte vom Beginn der Neuzeit bis zur Gegenwart: Von Navigationsgeräten wie Sextanten und Oktanten, Mikroskopen, bis zu Fernrohren, Brillen und Kontaktlinsen bis hin zu Lasertechnik und Elektronenmikroskopie ist so ziemlich alles vorhanden. Vor allem die alten Messingfernrohre und -mikroskope beeindruckten. Sie waren einmal mit viel Mühe und Sorgfalt hergestellt worden. Auch wenn die optische Qualität im Vergleich zu den heutigen Geräten recht dürftig war, sind sie wegen des Messingglanzes viel schöner als die heutigen und von erheblichem Wert. Bei so vielen antiken optischen Geräten kam so manch einer ins Schwärmen, vor allem die Augen des Vorsitzenden leuchteten. Auch didaktisch ist das Museum gut aufgebaut. Neben den Erklärungen zu den einzelnen Instrumenten können auch Videofilme über die Optik in der Astronomie oder die Erzeugung von Laser-Strahlen angeschaut werden. Zu sehen waren auch große Laser-Rubinkristalle und zeichnerische Darstellungen über die Funktionsweise des Auges. In Herrn Dr. Hirth hatten wir einen sachkundigen Führer, der Vielfältiges über die Geschichte der Optik zu berichten wußte und geduldig unsere vielen Zwischenfragen beantwortete.

Nach soviel Optik und Messing gingen wir wieder ins Freie, wo es mittlerweile fast Nacht geworden war. Viele von uns waren durch die Eindrücke des Tages müde geworden und fuhren heim. Andere gingen ins Gasthaus. Drei weitere soll es unbestätigten Berichten zufolge noch zu einem Eishockeyspiel verschlagen haben.

Wohl keiner ging ohne reiche neue Eindrücke und Erkenntnisse heim. Solche Exkursionen sollten in Zukunft durchaus wiederholt werden.

Andreas Ruh

PS: Es bleibt anzumerken, daß Andreas Ruh und das Ehepaar Vit diese schöne Exkursion so hervorragend vorbereitet haben. Vielen Dank!