Elefantenrüssel, ein brennendes Schwein

und eine Königin (M16, IC1396, VdB142)

Zwei Sommernebel mit Dunkelwolken

Als ich noch ein kleiner Junge war, hing über meinem Bett ein aus einer Zeitschrift ausgeschnittenes Farbbild von M 16, welches im Naval-Observatorium bei Flagstaff im damals noch recht neuen Kompositverfahren aufgenommen worden war. Ich war fasziniert von dem roten Nebel und noch mehr von den markanten Dunkelwolken, die den Nebel durchziehen. Diese sind heute durch die Hubble-STScI-Publikationen als Pillars of creation bekannt, entsprechend der in ihnen stattfindenden Sternentstehung. Robert Burnham Jr. nannte die Silhouette dieser bizarren Dunkelwolken in seinem Celestial Handbook noch "Sternenkönigin". Mit meiner damaligen "Ausrüstung", einem 10x50 Fernglas auf einem Fotostativ, konnte ich zwar M 16 identifizieren, aber viel zu erkennen gab es da nicht.

M 16 mit der Sternenkönigin und dem "Brennenden Schwein" (DSS Aufnahme)

Diese Dunkelstrukturen, die auf Linienfilter-Aufnahmen in H alpha sehr eindrucksvoll sind, sind visuell gar nicht so einfach zu erfassen, selbst mit Teleskopen, die um einiges größer sind als so ein 50-mm-Feldstecher. Der gesamte Emissionsnebel um M 16 ist überhaupt relativ schwach und wird eigentlich nur bei Verwendung eines UHC- oder O III-Filters richtig eindrucksvoll. Aber selbst dann fallen diese Dunkelstrukturen kaum auf und werden von den meisten Beobachtern wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Es bedarf einiger Geduld, bis man die nur sehr schwachen Kontrastunterschiede erkennt und sich langsam die dunklen Säulen vor dem Hintergrund des Nebels herausschälen.

In M 16 gibt es eine weitere Staubsäule, die ebenfalls durch Bilder des Hubble-Teleskops etwas bekannter wurde und die in meinem engeren Umfeld als das "Brennende Schwein" bekannt ist. Der Grund für diese Namensgebung wird aus der untenstehenden Hubble-Aufnahme offensichtlich, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das Weltraumschwein im Gegensatz zu seinen irdischen Artgenossen drei statt nur zwei Rüssellöcher (die Pendants zu den menschlichen Nasenlöchern) hat.


Das Brennende Schwein auf einer Aufnahme des Hubble Teleskops (STScI). Die markantesten anatomischen Details sind markiert.

Im Gegensatz zur "Sternenkönigin" ist das "Brennende Schwein" visuell etwas schwieriger zu erfassen. Das Leuchten des Schweines an sich konnte ich selbst nach längerer Beobachtung mit meinem 22-Zöller nicht sehen, wohl aber die dunkle Rauchwolke, die von den Vorderpfoten nach hinten zieht und wahrscheinlich vom zu schnellen Eintritt des Schweins in die dichteren Bereiche von M 16 herrührt. Diese Rauchwolke erscheint auch auf der DSS-Übersichtsaufnahme von M 16 als die Region mit dem größten Kontrast zum Emissionsnebel.

Obwohl die äußere Ähnlichkeit stark zu wünschen übrig lässt, sind unsere Schweine mit den Elefanten recht nah verwandt. Womit der Brückenschlag zum "Elefantenrüssel" geschafft ist, dem nächsten Beobachtungsobjekt. Der Elefantenrüssel befindet sich in IC 1396, dem großen Emissionsnebel im Cepheus gleich neben mu Cephei, dem Granatstern.


IC 1396 im Cepheus mit dem Granatstern mu Cephei und markanten Dunkelstrukturen, unter anderem dem als Elefantenrüssel bekannten VdB 142

Der Elefantenrüssel, der auch unter VdB 142 im Katalog von Van den Bergh bekannt ist, ist ein beliebtes Objekt für Astrofotografen, die ihren neuen H alpha-Linienfilter ausprobieren wollen. Visuell ist VdB 142 ein eher schwieriges Objekt, das zwar keine großen Ansprüche an die Teleskopöffnung, wohl aber an die Geduld des Beobachters stellt. Während der große Dunkelkeil etwa in der Mitte von IC 1396 recht einfach auszumachen ist, kann man sich an VdB 142 schon etwas länger die Zähne ausbeißen. Erst nach etwa einer Stunde ausgiebigen Probierens konnte ich die südliche Kante des Dunkelschlauchs mit meinem 14-Zöller sicher halten und reproduzierbar wiederfinden. Neben viel Geduld ist auch hier ein Nebelfilter Pflicht (wobei UHC etwas besser als O III ist), und auch die Vergrößerung sollte nicht zu gering gewählt sein.


Der Elefantenrüssel im Detail. Bei visueller Beobachtung mit UHC-Filter ist die südliche Kante des Dunkelschlauchs mit der kleinen "Bucht" das auffälligste Element. Der vordere runde Teil mit dem leuchtenden Rand ist am Teleskop nur mit viel Phantasie zu erahnen. Im Gegensatz zum "Brennenden Schwein" hat der kosmische Elefant klar zwei Rüssellöcher, in Übereinstimmung mit irdischen Elefanten. Ob hinter dieser Abweichung zu den Schweinen ein tiefergehendes Prinzip steckt? (DSS Aufnahme)

Reiner Vogel


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Last Update: 8. September 2007
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)