Diese Dunkelstrukturen, die auf Linienfilter-Aufnahmen in H alpha sehr eindrucksvoll sind, sind visuell gar nicht so einfach zu erfassen, selbst mit Teleskopen, die um einiges größer sind als so ein 50-mm-Feldstecher. Der gesamte Emissionsnebel um M 16 ist überhaupt relativ schwach und wird eigentlich nur bei Verwendung eines UHC- oder O III-Filters richtig eindrucksvoll. Aber selbst dann fallen diese Dunkelstrukturen kaum auf und werden von den meisten Beobachtern wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Es bedarf einiger Geduld, bis man die nur sehr schwachen Kontrastunterschiede erkennt und sich langsam die dunklen Säulen vor dem Hintergrund des Nebels herausschälen.
In M 16 gibt es eine weitere Staubsäule, die ebenfalls durch Bilder des Hubble-Teleskops etwas bekannter wurde und die in meinem engeren Umfeld als das "Brennende Schwein" bekannt ist. Der Grund für diese Namensgebung wird aus der untenstehenden Hubble-Aufnahme offensichtlich, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das Weltraumschwein im Gegensatz zu seinen irdischen Artgenossen drei statt nur zwei Rüssellöcher (die Pendants zu den menschlichen Nasenlöchern) hat.
Im Gegensatz zur "Sternenkönigin" ist das "Brennende Schwein" visuell etwas schwieriger zu erfassen. Das Leuchten des Schweines an sich konnte ich selbst nach längerer Beobachtung mit meinem 22-Zöller nicht sehen, wohl aber die dunkle Rauchwolke, die von den Vorderpfoten nach hinten zieht und wahrscheinlich vom zu schnellen Eintritt des Schweins in die dichteren Bereiche von M 16 herrührt. Diese Rauchwolke erscheint auch auf der DSS-Übersichtsaufnahme von M 16 als die Region mit dem größten Kontrast zum Emissionsnebel.
Obwohl die äußere Ähnlichkeit stark zu wünschen übrig lässt, sind unsere Schweine mit den Elefanten recht nah verwandt. Womit der Brückenschlag zum "Elefantenrüssel" geschafft ist, dem nächsten Beobachtungsobjekt. Der Elefantenrüssel befindet sich in IC 1396, dem großen Emissionsnebel im Cepheus gleich neben mu Cephei, dem Granatstern.
Der Elefantenrüssel, der auch unter VdB 142 im Katalog von Van
den Bergh bekannt ist, ist ein beliebtes Objekt für
Astrofotografen, die ihren neuen H alpha-Linienfilter ausprobieren
wollen. Visuell ist VdB 142 ein eher schwieriges Objekt, das zwar
keine großen Ansprüche an die Teleskopöffnung, wohl
aber an die Geduld des Beobachters stellt. Während der
große Dunkelkeil etwa in der Mitte von IC 1396 recht einfach
auszumachen ist, kann man sich an VdB 142 schon etwas länger die
Zähne ausbeißen. Erst nach etwa einer Stunde ausgiebigen
Probierens konnte ich die südliche Kante des Dunkelschlauchs mit
meinem 14-Zöller sicher halten und reproduzierbar
wiederfinden. Neben viel Geduld ist auch hier ein Nebelfilter Pflicht
(wobei UHC etwas besser als O III ist), und auch die
Vergrößerung sollte nicht zu gering gewählt sein.
Reiner Vogel