Zu Besuch auf dem DCT-Teleskoptreffen in Gersbach
Am 1.Mai-Wochenende 2005 fand in der Nähe von Gersbach im
Hotzenwald das 1. Deep-Sky Community-Treffen im Wilden Süden
(DCT-Süd) des Astronomie-Internet-Forums www.Deepsky.de
statt. Organisiert wurde das Teleskoptreffen von Christian Radtke
zusammen mit Freunden aus der Umgebung von Schopfheim und der
Schweiz. Im Vergleich zu den großen Teleskoptreffen wie dem ITV
auf dem Vogelsberg hatte das Treffen in Gersbach einen eher
beschaulichen Charakter. Die rund 25 Teilnehmer (40 waren angemeldet)
kamen in erster Linie aus Baden-Württemberg und der angrenzenden
Schweiz.
Von den Sternfreunden Breisgau nahmen außer mir noch Björn
Schumacher und Frank Boness teil. Das Treffen fand auf einem
Sportplatz am Ortsrand von Gersbach auf etwa 1000 m Höhe
statt. Nach unserer Anreise am Freitag Nachmittag und dem Aufbau
unserer Teleskope fand das Kennelernen der Organisatoren und der
anderen Besucher statt. Aufgrund der übersichtlichen
Teilnehmerzahl stellte sich rasch eine familiäre Atmosphäre
ein. Schon beim Aufbauen konnten erste Kontakte geknüpft werden,
die beim anschließenden gemeinsamen Abendessen bei Chili und
Raclette (ein großes Lob an die Schweizer Küche!) vertieft
wurden. Danach konnten bei einem Rundgang über das Gelände
die aufgestellten Teleskope begutachtet werden. Die meisten Besucher
waren mit parallaktisch montierten Fernrohren angereist, unter denen
viele ausgefeilte Geräte zu bewundern waren. Silvio Hertli aus
der Schweiz hatte seinen fast komplett umgebauten 12-Zoll GSO-Dobson
mitgebracht. Im Gegensatz zu unserem 12-Zöller auf der Sterwarte
waren an diesem Instrument jedoch kaum mehr Serienteile zu
finden. Neben einer komplett neuen Rockerbox hatte er praktische
Transporträder, einen beleuchteten Okularhalter, einen
Kartenhalter mit Rotlicht, sowie als besonderen Gag einen integierten
Zigarettenanzünder. Aber auch größere Dobsons waren
vertreten: Roland Hermann aus der Pfalz hatte seinen großen
21-Zöller dabei, dessen ultradünnen Hauptspiegel er aus nur
25 mm dickem Borofloat-Glas geschliffen hatte. Timm Klose aus
Gengenbach brachte seinen 20-Zoll "Lowrider" mit, der aufgrund seines
speziellen Strahlengangs eine sehr niedrige Einblickposition
besitzt. Selbst bei Beobachung im Zenit kommt man ohne Leiter oder
Tritt aus.
Nachdem der April uns ja nicht so sehr mit klaren Nächten
verwöhnt hatte, hatten wir ein ziemliches Glück mit dem
Wetter. Gegen Abend verflüchtigten sich die letzten Wolken und
wir hatten einen klaren Himmel, über den nur ab und zu leichte
Zirren zogen. Sicherlich waren es keine idealen Bedingungen, es fand
sich aber immer ein Himmelsabschnitt, in dem tiefe Beobachtungen
möglich waren. Zudem hatte der Beobachtungsplatz eine
unversperrte freie Sicht nach allen Richtungen. Die ersten Objekte in
der Dämmerung waren Jupiter und Saturn, deren Anblick in den
verschiedenen Teleskopen verglichen werden konnte. Nach Einbruch der
Nacht konnten dann auch die Deepsky-Objekte des Frühlingshimmels
angegangen werden und jeder konnte den anderen Besuchern seine
Paradeobjekte zeigen. Nicht zuletzt aufgrund der frühlingshaften
Temperaturen dauerte die erste Beobachtungsnacht bis tief in den
Morgen. Erst gegen halb vier, der Mond ging gerade auf, krochen die
letzten in ihre Schlafsäcke. Übernachtet wurde entweder in
einer Genossenschaftshalle direkt neben dem Sportplatz oder im
Auto. Am nächsten Morgen wurde uns dann auf aufgestellten
Bierbänken in der Sonne ein reichhaltiges Frühstück und
natürlich viel Kaffee zum Wachwerden serviert, bevor es gleich
wieder weiter ging. Ein erster Blick mit bloßem Auge durch
Sonnenfilter offenbarte eine riesige Fleckengruppe (Nr. 10756), die in
den einzelnen Teleskopen sehr viele Details zeigte. Leider konnte wir
drei Freiburger nur bis Samstag bleiben, so dass uns die zweite
Beobachtungsnacht entging. Die sollte, wie wir im Nachhinein erfuhren,
richtig ergiebig geworden sein mit Beobachtungen bis 5 Uhr morgens und
langen Schlangen an den beiden großen Dobsons.
Auch wenn der Besuch nur kurz war - er hat sich sehr gelohnt, nicht
nur aufgrund der relativ geringen Entfernung zu Freiburg. Christian
Radtke und seine Freunde Herbert Weniger, Eric Anderson, Martin Fuhrer
und Jan Oertlin samt Familien haben ein sehr schönes Treffen auf
die Beine gestellt, das hoffentlich im nächsten Jahr wiederholt
wird. Und dann sind wir sicher wieder dabei!
Reiner Vogel
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Last Update: 14. September 2005
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)