Deckel und Taukappen

Wer Teleskope hat, hat auch Sucher und Okulare und Ferngläser. Wer die hat, dem fehlen auch Deckel und Taukappen. Doch wer bestellt schon für US$ 2.95 in den USA ein fehlendes Teil? Hat man Deckelwünsche für Durchmesser vom Okular bis zum C11 und akzeptiert einen Fehler von 2 mm bezogen auf den Radius, so gibt es an die 100 verschiedene Deckeldurchmesser, und die Wahrscheinlichkeit, auf Anhieb einen passenden Deckel zu finden, liegt bei 1%. Was also tun?

Ich sammle Deckel seit Jahren und werfe den Hausfrieden riskierend keinen Deckel fort. Allzu oft passt trotzdem keiner. So geht man auf die Suche und hat bei etwas Ausdauer oftmals Glück. Erfolgversprechende Suchreviere sind die Deckelkisten auf der Fotobörse und die Kaufhäuser mit ihren Haushalts-, Camping-, Büro- und Lebensmittelabteilungen, sowie die Baumärkte:

Als Deckel kommen die Kappen für 1 1/4"-Stuhlbeine infrage, die Deckel von allerlei Spraydosen, Papprollen, Marmeladegläsern, Gewürzgefäßen, Vorratsbehältern, Keksdosen, Kochtöpfen, Farb- und Mülleimern. Taukappen. Sie benötigt man nicht nur gegen den Tau und Reif, sondern - siehe Sterne und Weltraum 2001/12/1098 ff, 1104 - auch gegen das Tubus-Seeing. Für Taukappen und Deckel kommen auch allerlei zylindrische Büchsen und ähnliches infrage, die ggf. zu kürzen sind: dicke Vitamintablettenröhrchen, diverse Salbenbüchsen (leer in der Apotheke zu haben), Plastiktassen, Zahnputzbecher, Körperpflege- und Putzmittelflaschen, Konservendosen, Blumenübertöpfe, Papierkörbe, Vorratsbüchsen, Kochgeschirr, Farb- und Mülleimer.

Fehlt ein bestimmter Deckel, so trage ich ein Zentimetermaß bei mir. Da sich viele Gefäße nach oben hin verengen oder erweitern, ist eine passend geschnittene Papierscheibe nützlich, die man hineinlegen kann.

Bei den 100 verschiedenen Deckeldurchmessern kann man sich freuen, wenn ein entdeckter Deckel wenigstens einigermaßen passt. Bei Plastikschraubdeckeln lässt sich das Innengewinde ausschaben (Verbandkasten bereit halten), bei den blechernen Marmeladeglasdeckeln kann man die nach innen ragenden Noppen über einem eingespannten Hammerstiel mit einem zweiten Hammer platt klopfen. Eine Differenz bis zu 2 mm lässt sich mit Textilklebeband oder Tesamoll vom Baumarkt oder mit Klebevelours (von DC-fix oder Alkor) aus dem Bastelgeschäft überbrücken. Das ausgleichende Material kann man in den Deckel hineinkleben oder einfacher auf das abzudeckende Rohr wickeln. - Der schwarze Klebevelours sollte übrigens in jeder Astronomenbastelkiste vorrätig sein. Mit ihm lässt sich auf einfachste Weise ein hervorragender Streulichtschutz für die innen glänzenden Okular- oder Fernrohrtuben realisieren: Man formt dazu aus dem Velours ein passendes Rohr, das man an den Enden und in der Mitte mit kurzen Stückchen Klebeband stabilisiert und dann einfach in den Tubus hineinschiebt.

Aber zurück zu den Deckeln. Will man den 1 1/4"-Ausgang eines Teleskops gegen eindringenden Staub schützen, so eignen sich als Dummy-Okulare die schwarzen glänzenden Filmbüchschen, alle anderen sind zu groß oder zu klein. Wer schon 2"-Dummy-Okulare gefunden hat, möge sich bitte beim Autor melden.

Wie man ein Rohr oder eine Büchse schön senkrecht abschneiden kann? Man legt ein Blatt Papier enganliegend um das Rohr herum und zieht mit einem wasserfesten Filzschreiber an der Papierkante entlang eine schwarze Markierungslinie. Nun wird das Rohr als Sicherung gegen das Wegrutschen fest gegen eine Kante gedrückt und dann mit einer feinen Säge, etwa einer Laubsäge mit dem feinsten Metallsägeblatt, abgesägt. Je dünner die Rohrwand, desto kürzer müssen die Sägezähnchen sein, andernfalls hakt die Säge erbarmungslos. Ist der Schnitt etwas wellig geworden, so kann man ihn egalisieren, indem man mittelfeines Schleifpapier auf den Tisch legt, das Rohr draufstellt und es vorsichtig über das Schleifpapier zieht.

Kann man Deckel selbst herstellen, und das mit möglichst geringem Aufwand? Ja, das geht. Vom Baumarkt zu besorgendes Material: 5 bis 10 mm dickes Sperrholz, 1 Schubladenknopf oder 2 Schubladengriffe. Zunächst sägt man aus dem Sperrholz eine kreisrunde Scheibe heraus, im Durchmesser 10 mm größer als der Außendurchmesser des abzudeckenden Rohres. Mit etwas Glück findet man auch ein passendes rundes Frühstücks- oder Brotbrett oder eine fertige Sperrholzscheibe im Baumarkt oder Bastelgeschäft. Für das weitere Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten.

1. Man schraubt 3 bis 6 zylindrische Türstopper vom Baumarkt symmetrisch und im Kreis so auf die Holzscheibe, dass sie im Rohr leicht klemmen. Für kleine Rohrdurchmesser besorgt man sich Gerätefüße aus dem Elektronikgeschäft. Oder

2. Man schneidet sich aus flachem festem Schaumstoff von Verpackungen o.ä. - Styropor ist etwas zu spröde - eine gerade in das Rohr hineinpassende Scheibe, die man auf zentrisch auf die Holzscheibe klebt. Auch eine Holzscheibe von 10 oder mehr Millimetern Dicke eignet sich als Innenteil. Die weiche Passung im Rohr erreicht man mit Tesamoll oder mit Klebevelours.

Den vorgefertigten Holzdeckel kann man noch mit Schleifpapier entgraten und mit Sprühfarbe veredeln: zuerst grundieren und dann weiße Farbe, damit man den Deckel auch in der Dunkelheit findet. Zum Schluss befestigt man den Schubladenknopf in der Mitte oder bei größeren Deckeln in einigem Abstand voneinander die beiden Griffe.

Als provisorische Tubusabdeckung kann man ein zugeschnittenes Stück Blasenfolien (vulgo Knallfolie) verwenden. Befestigen lässt sich die Folie je nach Rohrdurchmesser mit einem großen oder kleinen Einweckgummi oder mit einem Ring von einem Fahrradschlauch passender Dicke. - Die Ringe aus Fahrradgummi sind auch für viele weitere Anwendungen geeignet: Sie werden nicht spröde und schmieren nicht, wenn sie alt werden. Zudem sind sie gratis.

Provisorische Taukappen sind ebenfalls kein Problem. Die einfachste Lösung ist zum Zylinder gerollter Karton, am Tubus mit Weckgummi festgeklemmt. Das äußere Ende lässt sich mit einer Büroklammer oder mit Klebeband stabilisieren. Besser als der Karton ist in thermischer Hinsicht die für Heizungen gedachte gerollte Isolierfolie mit metallischer Außenseite, s. den SuW-Artikel. Die weiße Innenseite stört praktisch nicht. Und wenn man nicht aufpasst, bleibt es bei den Provisorien. Die halten bekanntlich am längsten.

Karl-Ludwig Bath


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Last Update: 28. Dezember 2001
Martin Federspiel