Mittendrin statt nur dabei

- Beobachtung mit dem Bino

Stellen Sie sich den Umstieg von einem Fahrrad auf bzw. in ein Auto vor. Ungefähr so kommt es einem vor, wenn man nach jahrelanger monokularer Beobachtung plötzlich die Plejaden oder den Sternhaufen h und ? im Perseus in einen Binokular bewundern darf. Das Erlebnis ist mehr als beeindruckend, auch wenn die Bildhelligkeit etwas leidet. Die Teleskopöffnung bleibt ja gleich und jedes Auge bekommt mit Bino nur knapp die Hälfte des ins Teleskop einfallenden Lichts. Insgesamt überwiegen aber die Vorteile: Da man beim "Bino-Beobachten" beide Augen benutzt, ist es bei weitem nicht so anstrengend, wie wenn man "nur" mit einem Auge in die Tiefen des Alls blickt. Außerdem kann man bei binokularem Sehen wesentlich mehr Details wahrnehmen als nur mit einem Auge.

Das Vereinsbino der SFB lag viele Jahre lang auf der Sternwarte in einem Dornröschenschlaf, weil es an geeigneten Okularen fehlte. Doch seit der Verein zwei Okularsätze angeschafft hat, wird der Binoansatz regelmäßig genutzt. Hierbei handelt es sich um zwei 20 mm-Okulare sowie zwei 13 mm-Widescan-Okulare mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von 84. Letztere harmonieren sehr gut mit dem C14 und es stellt sich durch das große Gesichtfeld und das beidäugige Sehen gleich ein Spacewalk-Effekt ein.

Die Kombination von Binoansatz, C14 und den Okularen ist hervorragend für die Beobachtung von Sonne, Mond und Planeten geeignet. Somit wird auch das C14 wieder mehr genutzt und konnte sich in der Nutzungsstatistik letztes Jahr einen der vorderen Plätze sichern.

Trotz des Aktivitätsminimums, in dem sich die Sonne zur Zeit befindet, ließen sich in letzter Zeit ab und an sehr schöne Sonnenflecken beobachten. Das Besondere beim Bino-Gucken ist bei der Sonne sicherlich die Granulation, welche sonst nicht so gut oder gar nicht zu erkennen ist. Im Bino ist sie bei guter Luftruhe problemlos zu erkennen. Am 3. 12. 2006 konnten Achim und ich durch unseren kleinen 3-Zoll-Apochromaten und einen Baader-Maxbright-Binoansatz sehr schöne Sonnenflecken und die Granulation beobachten. Ein wahrer Genuss!


Sonne am 3.12.06, 80mm-TMB-Apochromat (f/6) + 2x Konverter, 1/2000s bei ISO 100 mit Nikon D200 und fotografischer Filterfolie der Firma Baader. Foto: Achim Schaller.

Der Mond ist ein weiteres wunderbares Bino-Objekt. Man hat das Gefühl, als würde man aus einer Raumsonde, welche gerade vorbei fliegt, auf unseren Satelliten schauen. Krater und Bergzüge werden fast plastisch wahrgenommen, so dass es ein wahres Vergnügen ist, sich mal richtig Zeit für die Mondbeobachtung zu lassen. Wer den Mondatlas von Antonin Rükl bereits ausgereizt hat, kann sich im Internet den "Virtual Moon Atlas" runterladen (siehe auch den Artikel von Reiner Vogel in den Mitteilungen der SFB Januar-April 2005).

Durch das Bino können Details wesentlich besser erkannt werden als bei monokularer Beobachtung. Somit können auch bei den Planeten einzelne Strukturen weitaus besser beobachtet werden. Saturn ist im Bino einfach nur "Boah" - als würde man gerade an ihm vorbeifliegen. Aus der eher zweidimensionalen Planetenscheibe wird ein richtiges 3D-Objekt. Zwar bleibt das Objekt in Wirklichkeit zweidimensional, durch das beidäugige Sehen jedoch gaukelt einem das menschliche Gehirn die dritte Dimension vor.

Uns eingefleischten Deep-Skylern hat sich durch das Bino eine ganz neue Welt eröffnet. Plötzlich macht es wieder richtig Spass, Objekte wie den Mond zu beobachten?

Carolin Tomasek-Schaller


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Last Update: 22. Januar 2007
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)