Dritter Astronomietag 2005 auf dem Schauinsland

Der von der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) ausgerufene bundesweite Astronomietag entwickelt sich langsam zu einer festen Einrichtung. Auch 2005 öffneten am 10. September wieder viele Volks-, Vereins- und Privatsternwarten, Planetarien und Forschungsinstitute ihre Pforten, um einer breiten Öffentlichkeit in rund 225 Veranstaltungen Einblick in die Wunder und die Faszination des Universums zu gewähren.

Die Zeitschrift stern, die sich 2004 noch mit großem medialen Aufwand mit der gleichzeitig ausgerufenen "Langen Nacht der Sterne" als Hauptveranstalter zu präsentieren versuchte, machte 2005 einen Rückzieher - angeblich weil der Hauptsponsor sich zurück gezogen hatte. Es darf wohl vermutet werden, dass die nach meiner Ansicht schwach gemachte stern-Spezialserie "Astronomie" im August 2004 nicht die erwartete Auflagensteigerung erzielt hat und die stern-Macher daraufhin das Interesse verloren haben. Lifestyle, Sex & Crime etc. interessieren die Mehrheit der Bevölkerung (leider) doch mehr als als die großen Fragen nach dem Woher, Wohin und Warum an den Himmel, die die Menschheit stellt, seit sie denken kann.

Bei den ersten beiden Astronomietagen 2003 und 2004 haben die Sternfreunde Breisgau e.V. riesiges Wetterglück gehabt. Die jeweils rund 200 Besucherinnen und Besucher konnten bei klarem Himmel mit bloßem Auge, Fernglas und diversen Fernrohren die Sternbilder und Schauobjekte des Herbsthimmels beobachten. Dabei zeigte sich aber auch, dass die reine Fernrohrbeobachtung problematisch ist (siehe mein Artikel in den Mitteilungen der SFB, Januar bis April 2005). Das Publikum wechselt ständig und springt von Fernrohr zu Fernrohr, um bloß nichts zu verpassen. Die Gäste sind auf der Jagd nach "Highlights", bekommen aber keine Zusammenhänge und kein Gefühl dafür vermittelt, was man mit einem Fernrohr bestimmter Größe sehen kann und was nicht.

Für den Astronomietag 2005 haben wir darauf hin unser Angebot erweitert: Bevor die Besucher mit eigenen Augen in den Nachthimmel blickten, sollten sie während der Dämmerung durch einen reichlich bebilderten Vortrag mit dem Titel "Amateurastronomie auf dem Schauinsland - was kann man am Himmel mit welchem Fernrohr beobachten?" auf das eingestimmt werden, was sie anschließend am Himmel erwartete. Gleichzeitig sollte der Vortrag die Veranstaltung wetterunabhängiger machen. Tatsächlich war schon einige Tage im voraus absehbar, dass das Wetter durchwachsen sein würde.

Auch das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS) beteiligte sich wie schon 2003 wieder am Astronomietag. So bot sich wieder eine Kooperation zwischen Kiepenheuer-Institut und Sternfreunden Breisgau an. Die Räumlichkeiten im Hauptgebäude des KIS auf dem Schauinsland wurden im Sommer so umgebaut, dass nun ein schöner Vortragsraum für rund 60 Personen zur Verfügung steht. Dieser umgestaltete Vortragsraum wurde nun am Astronomietag mit dem Vortrag "Einstein und die Sonnenphysik" von Dr. H. Wöhl eingeweiht (dieser Vortrag war gleichzeitig ein Beitrag des KIS zum Einsteinjahr 2005). Danach konnten die rund 50 Vortragsbesucherinnen und -besucher mit Dr. Wöhl die Instrumente des Instituts besichtigen. Anschließend durften auch die Sternfreunde den neuen Vortragsraum für den oben genannten Einführungsvortrag nutzen. Alle Plätze waren besetzt, die Resonanz - soweit ich mitbekommen habe - positiv.

Eine Portion Glück gehört auch zu einer gelungenen Veranstaltung. Just als der Vortrag zu Ende war und die Gäste erwartungsvoll ins Freie strömten, riss die Wolkendecke nach einem Schauer im Westen auf, so dass der Mond und dicht daneben Antares für ein paar Minuten zu sehen waren. Der Anblick der Mondkrater im Fernrohr war für diejenigen, die durch die von Carolin Tomasek und Achim Schaller flugs aufgestellten Fernrohre einen Blick erhaschen konnten, sicherlich ein Erlebnis. Etwa zwei Dutzend Besucher harrten trotz wenig optimistischen Wetteraussichten auf der Sternwarte aus, und ließen sich von Lutz Bath, Klaus Benthin, Carolin Tomasek, Achim Schaller, Ulrich Schüly und mir Instrumente zeigen und Fragen beantworten. Das Warten sollte sich lohnen: Plötzlich wurden die Wolkenlücken immer größer und man konnte einige Sternbilder erkennen. Eine eindrückliche Szene, denn Himmel und Umgebung wurden immer wieder durch Blitze eines Gewitters über dem Elsass erleuchtet. Als große Hilfe beim Erklären der Sternbildfiguren und als Auffindhilfe für Objekte für unerfahrene Fernglasbeobachter erwies sich ein in Europa nicht erhältlicher grüner Laserpointer. Der grüne Laserstrahl in den Himmel ist für Umstehende gut zu erkennen - allerdings ist größte Vorsicht geboten, dass niemand durch direktes Laserlicht geblendet wird.

Die Wolkenlücken vergrößerten sich schließlich soweit, dass wir noch mit Dobson-Teleskopen eine halbe Stunde lang auf der Wiese unter guten Bedingungen beobachten konnten. Der Blick auf die Schauobjekte des Herbsthimmels (M13, M15, M27, M31, M57 etc.) entschädigte all diejenigen, die die Hoffnung nicht so schnell aufgeben wollten und in der Kühle lange ausgeharrt hatten.

Insgesamt möchte ich für die Sternfreunde eine positive Bilanz dieses dritten Astronomietags ziehen. Der einführende und die Erwartungen steuernde Vortrag hat sich bewährt. Die Kooperation mit dem KIS war wie immer fruchtbar und angenehm. Wir hatten ein wenig Glück mit dem Wetter und so kamen die meisten Besucher doch im wesentlichen auf ihre Kosten. Ein Wermutstropfen soll allerdings nicht verschwiegen werden: Die Ankündigung des Astronomietages in der Presse, insbesondere in der Badischen Zeitung, war trotz - meiner Ansicht nach - sorgfältiger Vorbereitung unbefriedigend. Wir werden zwar versuchen, beim nächsten Mal die Pressearbeit zu verbessern, aber eine Erfolgsgarantie gibt es ähnlich wie beim Wetter in diesem Bereich leider nicht.

Ob wir beim Astronomietag 2006 am 16. September mitmachen werden, steht allerdings noch in den Sternen. Am gleichen Tag findet in Villingen-Schwenningen eine überregional bedeutsame Astronomiemesse statt - und auf zwei Hochzeiten können die wenigen aktiven Mitglieder nicht gut tanzen.

Martin Federspiel


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Last Update: 2. Januar 2006
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)