Erster deutscher Astronomietag auf dem Schauinsland

Das Sommerloch, die nachrichtenarme Zeit also, in der jeder Pups seinen Weg in die Medien findet, war vorbei. In Berlin hatten die Regierungsgeschäfte wieder begonnen, die Schlagzeilen waren beherrscht von Gesundheitsreform, Renteneintrittsalter und den anderen Übeln dieser Welt. Und dennoch rief der erste deutsche Astronomietag ein bemerkenswertes Medienecho hervor.

Ursache dafür war - der Mars! Der Planet, der die Phantasie der Menschheit bis heute mehr beschäftigte als andere Himmelskörper (Bildzeitung am 27. August 2003: "Mars nah wie nie - intensive Lustwellen aus dem All!"), der Mars, kam der Erde näher als jemals zuvor in den letzten fast 60000 Jahren. Die diesjährige Marsopposition fand fast zeitgleich mit dem Periheldurchgang (dem kleinsten Sonnenabstand) des Mars statt. So berichteten die ARD-Tagesthemen schon Mitte August (fälschlich) vom Mars in Erdnähe. Lokal ließen Freiburg-TV und der SWRF anfragen nach einem Lokaltermin auf unserer Sternwarte, die Reportagen erschienen rechtzeitig im Funk und Fernsehen.

Ziel der öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung ist es, unser Hobby Astronomie und die Wissenschaft Astronomie einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Hobby und Wissenschaft: Die Sternfreunde Breisgau hatten sich mit dem Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (auf dessen Gelände unsere Sternwarte steht) und dem Freiburger Planetarium zusammengetan. Schon seit einigen Wochen machte das Planetarium mit dem Programm Marsmission auf das Ereignis der kommenden Marsopposition aufmerksam.

Herr Soltau vom Kiepenheuer-Institut eröffnete das gemeinsame Abendprogramm des Astronomietages mit einem spannenden Open-Air-Vortrag über den Mars. In der fortschreitenden Dämmerung des lauen Sommerabends auf dem Schauinsland ließen sich an die 150 Astronomieinteressierte Zuhörer von Soltau's Ausführungen über Mythologie, die historische und moderne wissenschaftliche Erforschung des Mars und von den dazugehörenden, auf Großleinwand projizierten Bildern faszinieren. Einen so großen Andrang gab es auf dem Institutsgelände auf dem Schauinsland zuletzt im Frühjahr 1996, als der Komet Hale-Bopp am Himmel stand.

Der Vortrag war der optimale Einstieg, denn er machte Appetit auf das Angebot der Sternfreunde: Sie hatten zur öffentlichen Teleskopbeobachtung eingeladen und die Leute standen schon vor Einbruch der Dunkelheit Schlange. Aufgebaut wurden auf der Beobachtungswiese 2 große Dobson-Teleskope, der Refraktorturm des Kiepenheuer-Instituts wurde geöffnet, das C14 auf unserer Sternwarten-Plattform stand zur Verfügung und natürlich der neue Newton der Sternfreunde in der Ostkuppel.

Beobachtungsort Furkapass Für das Newton-Teleskop war es der erste große Einsatz. Es hat ihn, wenn man den Kommentaren der Gäste Glauben schenken darf, mit Bravour bestanden: Kommentare von Besuchern über den Mars, bei etwa 300facher Vergößerung: "viel knackiger" als im Refraktor, "deutlich mehr Kontrast" als im C14. Bis weit nach Mitternacht drängten sich die Leute fast ununterbrochen in die Ostkuppel und wollten einen Blick durch das Okular auf den Mars werfen. Es war in dieser Nacht das einzige Objekt, auf das der Newton gerichtet war. Zum Schluss präsentierte ich den Mars life per Webcam auf einen Bildschirm, so dass nun mehrere Besucher gleichzeitig die deutlichen Oberflächenstrukturen und die Polkappe auf dem mehr als 25 Bogensekunden großen Planetenscheibchen bestaunen konnten.

Die Nacht war zu allem Überfluss auch noch mondlos, so dass mit den anderen Geräten der Sternhimmel unter optimalen Bedingungen demonstriert werden konnte. Die Vorzeigeobjekte des Sommerhimmels - und später auch die ersten Herbsthimmel-Highlights, beeindruckten unsere Gäste: der Rauchring von M 57, der Sturmvogel im Schwan (NGC 6992), der Kugelhaufen M 15, das Sternengrab M 27, die Andromeda-Galaxie M 31 und der Offene Doppelsternhaufen h+chi im Perseus. Viele hatten zum ersten Mal einen Blick durch ein Teleskop geworfen und die Begeisterung war natürlich groß.

Abgerundet wurde das Angebot der SFB in dieser Nacht durch Andreas Ruh, der im Aufenthaltsraum den Gästen eine Powerpoint-Präsentation über die Sternfreunde und ihre nächtlichen Beobachtungsobjekte in Endlosschleife vorführte. Ihm und den anderen Aktiven bei den Sternfreunden: Lutz Bath, Christian Dahlhoff, Jens Lüdemann, Achim Schaller, Susanne Schulenburg, Björn Schumacher, Carolin Tomasek, Dirk Ulmer, Reiner Vogel ist für ihren Einsatz beim Astronomietag herzlich zu danken. An diesem Abend konnten wir zusammen sicherlich weit mehr als 200 Gäste für den Mars, den Sternhimmel, die Wissenschaft der Astronomie und für unser Hobby begeistern.

Andreas Masche


Zurück zur Hauptseite der Sternfreunde Breisgau
Last Update: 22. September 2003
Martin Federspiel