Die Optimierung der Astrokamera 2
auf der Farm Hakos/Namibia
Im folgenden Artikel berichtet Karl-Ludwig Bath über seine Arbeiten
zur Optimierung der Astrokamera 2, die auf der Farm Hakos in Namibia
für die Internationale Amateursternwarte (IAS) ihren Dienst tut. Da
andere Teleskopbauer vielleicht ähnliche Probleme haben, mag das hier
Gesagte auch für sie von Interesse sein.
1. Mechanisches
1.1 Die Spiegelhalterung
Zusammen mit Charles Gruhn habe ich einen Konstruktionsfehler in der
Spiegelhalterung entdeckt, der mich über lange Zeit genarrt hatte. Er
war schwer zu erkennen, aber glücklicherweise einfach zu beseitigen.
Der Tragring für den Spiegel wird von drei Zugschrauben mit
Tellerfedern dahinter gehalten. Neben den Zugschrauben gibt es je zwei
Druckschrauben (Konterschrauben). Die Konterschrauben haben den
Tragring und danach sogar den Spiegel selbst verbogen. Diverse Tests
und Prüfungen zeigten, dass der Justierzustand des Spiegels auch ohne
die Druckschrauben stabil ist und die Druckschrauben somit
entbehrlich sind. Sie wurden jetzt in die AK2-Zubehörkiste gelegt -
für alle Fälle.
Die Spiegelhalterung
1.2 Die aktuelle Sucheranordnung
Der 13 x 100 Sucher mit seinem in alle Richtungen schwenkbaren Ausgang
wurde parallel zur AK2 justiert. Zusätzlich erhielt er rechts und
links je einen Sky Surfer III. Die roten LEDs beider Sky Surfer wurden
mit schwarzem Filzschreiber abgedunkelt, da sie zu hell waren.
Die aktuelle Sucheranordnung
2. Zur Abbildungsleistung der AK2
2.1 Videoaufzeichnungen mit der Webcam
Bei Videoaufzeichnungen wird durch die kurzen Belichtungszeiten die
von der Luftunruhe erzeugte Bildbewegung (image motion) weitgehend
eingefroren. Die folgenden Ausführungen beziehen sich deshalb auf
Webcam-Aufnahmen.
15 mm außerhalb der Achse (Kreuztisch)
In manchen Programmen (hier ArcSoft) kann man das Bild vergrößern, bis
man die einzelnen Pixel sieht. An den Pixeln kann man dann die
Halbwertsbreite (HWB, FWHM) eines Sterns abschätzen. Soll die
Auflösung der AK2 dokumen-tiert werden, sucht man die besten Bilder
aus einem Video heraus, wie hier geschehen. Die HWB wird in diesen
Bildern von dem Programm IRIS mit 2 x 2 Pixel angegeben, was der
nebenstehende Bild-ausschnitt bestätigt. Die Pixel sind die der ToUCam
740 pro mit 5.6 ?m Kantenlänge. Für die AK2 heißt das eine Auflösung
von 11 ?m oder 1.4'' (= 2 x 0.0056mm/1650mm x 206000). Das
Nyquist-Kriterium ist hier noch nicht erfüllt, weil mitunter nur ein
einziges Pixel hell erscheint.
Bei Spiegelreflexkameras und anderen CCD-Kameras gibt es durch die
längere Integrationszeit mitunter um den Faktor 3 größere
Halbwertsbreiten.
2.2 Aufnahmen mit der EOS 20Da
Es wurden einige Testaufnahmen mit einer Canon EOS 20Da DSLR
(R. Glawion) durchgeführt, teilweise mit automatischer
Nachführkontrolle durch AstroArt 2. Nicht nachgeführte Aufnahmen mit
Belich-tungszeiten von bis zu 20s zeigten auch bei der EOS perfekt
runde Sternabbildungen mit einer HWB (FWHM) von 4.5'', und zwar in der
Bildmitte und auch außerhalb der Achse. Vgl. die nachfolgende
Abbildung.
Das Zentrum von M7, Bildmitte herausvergrößert
3. Probleme mit DSLRs (Canon EOS 20Da)
3.Vignettierung im Off Axis Guider für DSLR
Auch wenn das Off Axis Guiding System (OAG) für DSLR-Kameras zum
OAG-Prisma zentriert wird, gibt es eine erhebliche Vignettierung. Die
gezeigten Abbildungen sind mit Giotto gemittelte intra- und
extrafokale Videosequenzen. Aus ihnen folgt der Verlust an Reichweite:
Bild intrafokal bzw. extrafokal: dm = 1.9 mag (1.2 mag). Gemittelt
folgt:
Reichweitenverlust = 1.5 mag
Off axis guider intrafokal (links) und extrafokal (rechts)
3.2 Die schwierige Leitsternsuche
Anfangs war mit der Webcam im OAG überhaupt kein Leitstern zu
finden. Ursachen: (1) Das sehr kleine OAG-Fenster. In dem kleinen
Himmelsausschnitt gibt es in aller Regel nur schwache Sterne. (2) Die
Webcam war zunächst noch nicht fokussiert. Versuchsweise wurde
deshalb ein sehr heller Stern (alpha Pav) als Leitstern verwendet. Er
wurde bei abgenommener EOS-Kamera vom Bildzentrum her mittig über die
Kante des OAG-Prismas geschoben und dann über ein ins OAG-Fenster
gesteckte Zenitprisma zentriert. Auf diese Weise gelang es, den hellen
Stern auf den kleinen Nachführ-Chip zu bekommen. Für den Normalbetrieb
ist ein solches Verfahren aber schwerlich praktikabel.
Fokussierergebnis: Die Webcam Philips SPC 900NC ist dann fokussiert,
wenn ihr Absatz 7.25 mm über dem OAG-Tubus liegt. Als Verbesserung
für die Leitsternsuche kann ein Zenitprisma in ein Okular umgebaut
werden, mit dem dann die Kontrolle des OAG-Bildfelds einfacher
wird. Ob das reicht, muss sich zeigen. Zusätzlich könnte die
Leitsternsuche mit einer ST-4 besser gelingen, die empfindlicher als
die Webcam sein sollte, und mit der wir inzwischen ein Bild auf den
Laptop bekommen.
4. Sensoren
In einem direkten Vergleich wurde die weitgehend gleiche
Empfindlichkeit der Philips-Webcam SPC 900NC und ihrer
Vorgängerversion, der ToUCam 840 pro, festgestellt. Das war zu
erwarten, da beide Webcams denselben Chip haben. Interessant wäre
weiterhin ein Empfindlichkeitsvergleich mit der EOS 20Da und anderen
CCD-Kameras.
Zum Schluss
Für die Zukunft ist beabsichtigt, die Bedienung der AK2 noch zu
vereinfachen. Dazu gehören eine einfachere Fokussierung, ein
beleuchtetes Fadenkreuzokular im Sucher und eine verbesserte
Leitsternsuche. Dankenswerterweise hat sich Carsten Jacobs schon
bereit erklärt, einen Motorfokus zu bauen. Die anderen Dinge müssen
wir diskutieren und dann realisieren.
Karl-Ludwig Bath
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Last Update: 22. Januar 2007
Martin Federspiel (e-mail: clearskies"at"sternfreunde-breisgau"punkt"de)