Eine Äquatorialplattform bietet die Möglichkeit, auch Dobson-Teleskope mit einer automatischen parallaktischen Nachführung auszustatten, ohne dabei die oben genannten Vorteile des Dobson-Designs aufzugeben. Eine Äquatorialplattform ist im Prinzip ein flacher, parallaktisch gelagerter Tisch, der als Unterbau für das eigentliche Teleskop dient. Sie führt das Teleskop über einen gewissen Zeitraum, in der Regel maximal 60 bis 90 Minuten, automatisch in der Stundenachse (Rektaszension) der Erddrehung nach. Danach wird die Plattform wieder in ihre Ausgangsstellung gebracht und die Nachführung kann von neuem beginnen. Die mit einer Plattform erreichbare Nachführgenauigkeit ist ausreichend für die visuelle Beobachtung auch bei höchsten Vergrößerungen. Webcam-Aufnahmen von Planeten und Mond sind damit ebenso problemlos möglich.
Das Konstruktionsprinzip einer Äquatorialplattform ist recht
einfach. Die Plattform besteht aus einer Bodenplatte und einem darauf
montierten Tisch, der drehbar gelagert ist. Die Drehachse
(Stundenachse) des Tischs wird hierbei parallel zur Erdachse
ausgerichtet. Bei 50° nördlicher Breite sollte sie somit in einem
Winkel von 50° zur Erdoberfläche stehen und auf den Polarstern
zeigen. Damit der Tisch als eine stabile Montage-Plattform dienen
kann, muss er an mehreren Punkten gelagert sein. Das südliche
Lager (rechts in der ersten Abbildung) ist einfach zu realisieren. Es
besteht aus einem Axial-Lager in Richtung der Drehachse. Auf der
Nordseite (links in der Abbildung) ist dieses Prinzip nicht anwendbar,
da sich hier die Drehachse in einiger Höhe über dem Tisch
befindet. Anstelle eines Axial-Lagers wird hier ein großer
Lagerkreis senkrecht zur Drehachse verwendet, der auf
schräggestellten Rollen auf dem Bodenbrett aufsitzt. Wie aus der
Abbildung ersichtlich, ist für die Lagerung nicht der komplette
Kreis erforderlich. Um eine Nachführung über eine Stunde zu
gewährleisten, ist ein relativ kleines Kreissegment, welches
schräg an der Unterseite des Tisches montiert wird,
ausreichend. Der Tisch wird mit einer Rate von 15° pro Stunde um die
Polachse gedreht, so dass eine einstündige Nachführung ohne
Kippgefahr für das Teleskop realisiert werden kann. Nach Ablauf
dieser Zeit wird die Plattform jeweils wieder von Hand in ihre
Ausgangsstellung gebracht. Für den Antrieb einer Plattform gibt
es verschiedene Varianten. Ich habe in meiner Plattform einen
Reibungsantrieb über eine Gummirolle realisiert. Diese wird
über einen batteriebetriebenen Gleichstromgetriebemotor
angetrieben, dessen Drehzahl über die anliegende Spannung
geregelt wird.Planetenbeobachtungen werden hierdurch ungemein erleichtert und Momente guten Seeings können bequem abgewartet werden. Hierbei ist jedoch nicht nur der Komfortgewinn von Vorteil. Durch die dauerhafte Zentrierung des Beobachtungsobjekts in der Mitte des Gesichtsfeldes wird die optische Leistung sowohl des Teleskops als auch des Okulars, welche beide am Besten auf der optischen Achse abbilden, optimal ausgenutzt. Auch bei der Deep Sky-Beobachtung z.B. von planetarischen Nebeln oder von engen Galaxiengruppen können je nach Teleskopöffnung Vergrößerungen von 300- bis 600-fach durchaus sinnvoll sein, so dass die parallaktische Nachführung auch hier das Erkennen von feinen Details erleichtert. Bei Führungen kann man Objekte Mitbeobachtern zeigen, ohne dabei das eingestellte Objekt immer wieder aus dem Gesichtsfeld zu verlieren, oder es können Webcam-Aufnahmen von Mond und Planeten aufgenommen werden.
Eine Äquatorial-Plattform stellt eine sehr sinnvolle
Ergänzung eines Dobson-Teleskops dar. Sie ermöglicht es,
auch größere Teleskope über einen begrenzten, aber
für die visuelle Beobachtung völlig ausreichenden Zeitraum
automatisch parallaktisch nachführen zu lassen. Weitere
Informationen zur Planung und zum Bau einer Plattform sowie eine
große Anzahl von weiter-führenden Internetlinks finden Sie
auf meiner Homepage
unter Äquatorial-Plattform..Reiner Vogel