Die Helligkeit eines Kometen hängt von vielen Umständen ab, die nur begrenzt vorhersagbar sind. Die kosmischen `Eisberge' aus gefrorenen Gasen und Staub stecken voller Überraschungen. Im Herbst 1996 erlitt Hale-Bopp einen `Schwächeanfall', d.h. er wurde nicht so schnell heller wie günstigstenfalls angenommen. Mit großer Spannung wird der Komet deshalb im Januar am Morgenhimmel unmittelbar vor Dämmerungsbeginn im Sternbild Adler knapp über dem Osthorizont erwartet (siehe Aufsuchkarte[200k]). Ein Feldstecher zeigt Hale-Bopp auf jeden Fall, mit bloßem Auge sollte ein Nebelfleckchen etwa dritter Größenklasse zu sehen sein. Ab etwa 21. Januar stört der helle Mond die Beobachtung.
Im Februar baut der Besucher aus den Tiefen des Alls seine Morgensichtbarkeit erheblich aus. Er durchwandert die Sternbilder Pfeil, Füchschen und den östlichen Teil des Schwans. Bei Dämmerungsbeginn steht er um einiges höher als im Januar und steigert seine Helligkeit auf die erste bis zweite Größenklasse, fällt also dem bloßem Auge ohne weiteres auf. Der nun wahrscheinlich bereits ausgeprägte Schweif entfaltet vor dem Hintergrund der recht hellen Milchstraße leider nicht seine volle Pracht. Nach dem 20. Februar beeinträchtigt wieder der Mond die Sichtbarkeit.
Ende März erreicht Hale-Bopp mit etwa 0 mag seine größte Helligkeit und konkurriert mit den hellsten Sternen. Diesen Anblick sollte man keinesfalls versäumen, der nächste Komet gleicher Klasse könnte Jahrzehnte auf sich warten lassen! Am Himmel hat Hale-Bopp sich ein beachtliches Stück vom Schwan durch die Eidechse ins Sternbild Andromeda bewegt. Wegen seiner hohen Deklination kann er sowohl am Morgenhimmel über dem Nordosthorizont kurz vor Sonnenaufgang als auch abends über dem Nordwesthorizont kurz nach Sonnenuntergang bestaunt werden. Mondlicht stört das Spektakel etwa vom 16.-26. März.
Am 1. April steht der Schweifstern im sonnennächsten Punkt seiner Bahn (Entfernung 0.91 AE zur Sonne). Die intensive Sonnenstrahlung läßt gewaltige Mengen an Eis und Staub vom Kometenkern verdampfen, die dann noch reichlicher als in den Wochen und Monaten zuvor die neblige Hülle und den Schweif speisen. Der Komet steht Anfang des Monats noch in voller Prominenz am Abendhimmel und zieht von der Andromeda durch den südlichen Perseus in den Stier.
Im Mai geht der spannende Teil des Gastspiels von Hale-Bopp rapide zu Ende. Er entfernt sich von Sonne und Erde, die Helligkeit nimmt ab, für irdische Beobachter verschwindet er in der Abenddämmerung, die immer später einsetzt. Von Mitteleuropa aus werden wir Hale-Bopp nicht wiedersehen; von der Südhalbkugel aus dürfte er mit dem Fernrohr noch einige Jahre zu verfolgen sein.
Wenn sich die hier gemachten vorsichtig-optimistischen Helligkeitsprognosen bewahrheiten, wird Komet Hale-Bopp zu den zehn hellsten Kometen dieses Jahrhunderts gehören -- ich werde mir das nicht entgehen lassen. Und Sie?
Martin Federspiel
Attraktion am Frühjahrshimmel 1997: Genau ein Jahr nach dem Kometen
Hyakutake läuft der Komet Hale-Bopp im
März/April zu seiner Höchstform auf.
Im Sommer und Herbst 1996 genügte bereits ein Feldstecher oder bei
sehr klarem Himmel sogar das bloße Auge, um Komet Hale-Bopp zu
finden. Dem aufmerksamen Betrachter fiel dabei auf, daß der helle,
fast sternförmige Kometenkern sehr asymmetrisch in der Koma -- der
Nebelhülle, die den Kern umgibt -- lag. Bei genauerem Hinsehen
konnte man auch einige Jets erkennen, in denen Gas und Staub vom Kern
aus in die Koma strömen. Beide Phänomene sind auf dem Bild,
das am 14. Juli auf unserer Schauinslandsternwarte mit einem Celestron
11 und der ST-7 CCD-Kamera aufgenommen wurde, zu sehen oder mindestens
angedeutet. Im linken Bild ist der Kontrast so gewählt, daß
sowohl die schwächeren Teile der Koma wie auch der sehr helle Kern
gleichzeitig zu sehen sind. Vom Kern gehen x-förmig vier Jets
aus. Rechts ist das gleiche Bild mit einer sägezahnartigen
Helligkeitsfunktion dargestellt. Durch mehrfache Zuordnung des
Graustufenumfangs auf den gesamten Kontrast sind Linien gleicher
Intensität zu sehen und die asymmetrische Lage des Kerns in der
Koma hervorgehoben. Die kärnige Struktur der äußeren
Koma und die `Heiligenscheine' um hellere Sterne sind Artefakte der
Bildverarbeitung.